Geht es nach dem Willen der Dormagener CDU-Ratsmehrheit, bleibt es beim am
14. Dezember letzten Jahres gefassten Ratsbeschluss, die Buslinien 887 und 888
ersatzlos zu streichen. Dafür soll es ein paar Extrafahrten geben.
Dass es so nicht kommen soll, dafür legen sich seit Dezember mehrere Bürgerinnen
und Bürger in und um Dormagen mächtig ins Zeug. Sie haben eine Bürgerinitiative
"Pro Stadtbus" gegründet und zwischenzeitlich mehr als sechseinhalb
Tausend Unterschriften für ein sogenanntes Bürgerbegehren gesammelt.
Erreichen wollen sie hiermit, dass der Beschluss des Rates zurückgenommen
wird. Zweifelte Anfang Januar CDU-Fraktionschef Wiljo Wimmer noch am Erreichen
der notwendigen 3000 Unterschriften, sieht er sich und seine Parteifreunde nun
mit der mehr als doppelten Zahl konfrontiert. Noch jetzt aber kann er das Nachtreten
nicht lassen: "Wir haben etwa bei den Terminen mit den Elternpflegschaften
die Bereitschaft zur Sachdiskussion vermisst", tönte er in der NGZ
am 3.2.. Besonderer Widerstand gegen die Streichung kam tatsächlich von
den Eltern bzw. aus der Schulpflegschaft der Nievenheimer Gesamtschule sowie
der Dormagener Gymnasien.
Verwegene Zahlenspielereien
Während die Befürworter der Beibehaltung der beiden Linien auf ihrem
Ansinnen beharren, wurde und wird in Amts- und sonstigen Stuben -so z. B. bei
der Verkehrsgesellschaft Dormagen - eifrig gerechnet. VDG-Ausschussvorsitzender
W. Endres (CDU) drohte gar lt. NGZ v. 16.1.: "Auch wir würden die
Zahl erreichen, wenn wir ein Begehren für unsere Ratsbeschlüsse starten
würden."
Begründet wurde und wird die Einstellung der Linien mit einem angeblichen
Rückgang der
Fahrgastzahlen und bei Beibehaltung immensen städtischen Zuschüssen,
die angesichts "leerer Kassen" nicht finanzierbar seien. Fakt ist
aber, so ein örtlicher Kommentator, dass die Dormagener Verkehrsgesellschaft
ihr Defizit in den letzten Jahren stetig zurückgefahren hat - ein Beleg
für die zunehmende Akzeptanz des Öffentlichen Nahverkehrs.
Kulturpolitisches Kahlschlagsignal
Mit der Kappung seiner grenzüberschreitenden Linie nach Worringen (887) wäre im Übrigen ein wichtiges positives kulturelles Signal in Gefahr: Bei kulturellen Veranstaltungen in Köln kann der potenzielle Besucher aus Dormagen mit dem Kauf einer Eintrittskarte fürs Theater oder Konzert den ÖPNV bis Köln und wieder zurück kostenlos benutzen. Dies würde bei Streichung der Linie wegfallen. Aber auch die Besuche im Hackenbroicher Krankenhaus würden sehr erschwert.
Bürger an die Urnen
Das Bürgerbegehren ist das erste in Dormagen. Wird es zugelassen und nach
allem, was aus dem Rathaus zu hören ist, wird es das, können die Dormagener
Bürgerinnen und Bürger statt des Rates für oder gegen die Streichung
der Linien in einem Bürgerentscheid stimmen. Dann müssten allerdings
statt der jetzt vorgeschriebenen 3000 Unterschriften 20 %, das sind ca. 10.000
wahlberechtigte Dormagener mit "Ja" stimmen - die Mehrheit bei der
Abstimmung vorausgesetzt.
Der Abstimmung im Wahllokal könnte die CDU-Ratsmehrheit mit einer Rücknahme
ihres Dezemberbeschlusses und damit einer Beibehaltung der Buslinien aus dem
Wege gehen. Am 1. März hätten sie dazu die Gelegenheit, denn dann
ist die nächste Ratssitzung. Mit einer ordentlichen Publiukumspräsenz
sollte es doch möglich sein, den Dezemberbeschluss zu kippen. Und damit
hätten die Initiatoren, und mit ihnen die Benutzer der Buslinien einen
schönen Sieg davongetragen.
HPJ