Kürzlich hatte im Theater am Schlachthof (TaS) das Stück "Club
der toten Dichter" Premiere. Martin Maier-Bode hat den Stoff des Films
für die Bühne bearbeitet und das Jugendensemble des TaS bringt nun
das Drama über eine Schülerrevolte gegen autoritäre Erwachsene
gekonnt auf dieselbe.
Vor mehr als einem Jahr haben wir in der Schule den Film "Club der toten
Dichter" mit Robbin Williams in der Rolle des Literaturlehrers gesehen
und im Unterricht behandelt. Deshalb war ich auf die Aufführung des Jugendensembles
am Theater am Schlachthof Ende Januar sehr gespannt. Wie würden die jungen
Schauspieler, von denen ich einige persönlich kenne, diesen Film auf die
doch recht kleine Bühne bringen. Und ich musss sagen, ich war begeistert.
Weder habe ich mich gelangweilt, was im Theater ja schon mal vorkommen soll,
noch empfand ich das Theaterstück lediglich als Kopie des Films. Dafür
hatten sich Martin Maier-Bode als Autor der Theaterfassung sowie Jale Maria
Gönenc als Regisseurin schon einige Änderungen und Kürzungen
einfallen lassen. Das Ganze spielt statt in den USA in einem Internat in der
Schweiz und statt einer reinen Jungenklasse gibt es eine mixed-group. So macht
auch nicht zum Schluss ein Schüler, sondern eine Schülerin den von
allen später beklagten Selbstmord. Mir kam dieser im Theaterstück
ein bisschen hoppla-hopp - obwohl minutenlanges Sich-Quälen auf der Bühne
auch nicht so der Bringer ist. Außerdem wird aus dem Literaturlehrer eine
Lehrerin, die in der Klasse den Stein der Aufmüpfigkeit ins Rollen bringt.
Das Stück ging flott über die Bühne bzw. vor dem Vorhang weiter,
wenn nötige Umbauarbeiten anstanden. Leider wurde das Drogenproblem nur
kurz gestreift; aber in der Kürze soll ja die Würze liegen.
Bei der Premiere hatte ich den Eindruck, auf einem Elternabend zu sein. Deshalb
wünsche ich dem Stück, dass viele Jugendliche den Weg ins Theater
am Schlachthof finden. Denn für sie ist das Stück ja schließlich
gemacht, und zwar von Jugendlichen, die zum großen Teil zum ersten Mal
auf der Bühne stehen, jedoch ihre Sache prima und gekonnt rüberbringen.
Übrigens: Erwähnen möchte ich noch, dass es zwei komplette Darstellerteams
gibt, die sich abwechselnd auf die Bühne stellen. Deshalb gab es auch zwei
Premieren.
Eine tolle Aufführung!
Luise Hinterhalt