Junge Freiheit goes Provinz

Gebetsmüllermehl

Erst jüngst kam dem Verbindungsoffizier die Ausgabe der Wochenzeitung "Junge Freiheit" vom 12. Mai vergangenen Jahres vor Augen, in der sich das Blatt für gebildete Nazis mit dem "Neusser Monat" beschäftigt.
Die "Junge Freiheit" macht seit Jahren regelmäßig Rumor, weil sie mal hier mal da als "rechtsextremistisch" bezeichnet wird. Zunächst einmal liest man in der "Jungen Freiheit" nicht viel anderes als in der "FAZ" oder in der "Welt". Alle drei Blätter bilden so etwas wie die publizistische Notgemeinschaft der deutschen Nation.
Am wichtigsten ist dem Blatt für Nazis mit Abitur die Verehrung des Alters. Wer den nationalen Sparren hat, für den ist das, was immer galt, auch rechtens: Die Sklaverei, das Heilige Römische Reich deutscher Nation, die katholische Kirche, das Recht der ersten Nacht, das preußische Landrecht und Kaiser Karls hochnotpeinliche Gerichts- und Halsordnung.
Dies sind auch die Zutaten zu dem Artikel "950 Jahre Quirinus-Verehrung in Neuss" von Manfred Müller, der in besagter Ausgabe der "Jungen Freiheit" erschien. Müller erzählt seinen Lesern gleich eingangs: "Für Katholiken bietet St. Quirin bis heute Zuflucht in den Bedrängnissen des Lebens." Das Kontrastprogramm zum Heiligen Quirinus bietet ihm der "Neusser Monat": "Der Neusser Monat ist ein Volksfront-Magazin, herausgegeben und gestaltet von Kommunisten sowie marxistischen Sozialdemokraten und Grünen, für die Religion immer noch im Verdacht steht,'Opium des Volkes' zu sein. So schlug der Neusser Monat zum Beispiel vor vier Jahren ironisch-zynisch vor, das spätromanische Neusser Quirinus-Münster, in dem die Gebeine des hl. Quirinus seit einer Schenkung durch Papst Leo. IX. an das Stift ruhen, in eine Moschee umzuwandeln, und zeigte gleich im Bild, wie man sich das vorstellte: das Standbild des hl. Quirinus von der barocken Vierungskuppel entfernt und alle Türme verziert mit dem islamischen Halbmond. Dies zu einer Zeit, als sich in der Bürgerschaft zaghaft Protest regte gegen den Plan eines türkisch-islamischen Kulturvereins, in einem Neusser Vorort eine Moschee zu errichten - ein unübersehbares Zeichen dafür, daß der Islam sich in dieser ehemaligen Hochburg des rheinisch-deutschen Katholizismus einwurzeln will."
"Neusser Monat" und Moschee sind Müller ein Menetekel. Die CDU-Ratsfraktion fördere das muselmanische Begehren auch noch, klagt er, ein Zeichen dafür, daß die "Kulturrevolution von 1968 eine alte katholisch-konservative Bastion unterminiert" habe. Schon 1479 trotzten, so Müller, die Neusser im Vertrauen auf den heiligen Quirinus und das Entsatzheer Kaiser Friedrichs III. dem burgundischen Ansturm. Die Neusser Schützen werden mit ihrer Hymne "O Deutschland, hoch in Ehren, du heil'ges Land der Treu..." eine Art autonomer Antifa der 20er und 30er Jahre. Aber heute: "Nur noch rund 15 Prozent der Neusser Katholiken nehmen an der Sonntagsmesse teil. Bei der traditionellen Quirinus-Prozession zählt man noch maximal 500 Gläubige. Kaum ein Neusser Jugendlicher kennt noch - trotz der gegenteiligen Behauptung des Neusser Monat - das Quirinus-Lied." (Die Zeitung hatte sich darüber empört, daß Kinder noch immer mit dem Psycho-Song indoktriniert werden.)
Trotz wackerer Gesellen wie Manfred Müller erscheint die Geschichte irreversibel. Sie treibt auf den Punkt zu, den der "Neusser Monat" vorhersagte. Der Tag wird kommen, da Abgesandte der moslemischen Bevölkerungsmehrheit von Neuss St. Quirin betreten, das seit Jahren ungenutzte Inventar mit den Insignien ihrer Religion versehen und auf gut islamisch Recht sprechen werden: "Neusser Monat" oder Manfred Müller. Die Scharia kennt auch eine Strafe für Kopfschwäche und unduldsames Belästigen von Propheten: Kreuzberg und Krummsäbel.

Arnold Schölzel