Der Oberpfarrer
Der Neusser Oberpfarrer Monsignore Doktor Schelauske verwöhnte am Neujahrsmorgen
in seinem Quirinusmünster die katholische Bevölkerung mit einer "rhetorisch
gewohnt brillanten Predigt" (Neuss-Grevenbroicher-Zeitung vom 3.1.) Und
was er da alles erzählte! Er schlug "den Bogen von Aufstieg und Fall
der Technik-Gläubigkeit über Gen-Technik bis zum Erstarken des Islam".
(ebd.) Da mussten zur Bebilderung seiner schauerlichen Verkündigungen der
Titanic-Untergang genauso herhalten wie Tschernobyl und die verbrannten Skifahrer
im Tunnel von Kaprun. Warum und wieso es zu den geschilderten Katastrophen kam,
interessiert den Gottesmann nicht. Er hat für alles eine klare und einfache
Erklärung: Die Menschen wollen sich mit Gott messen, was natürlich
nicht klappen kann und folglich so einiges dabei schief gehen muss.
Besonders ärgerlich empfindet der Neusser Prediger die neuesten Erfolge
in der Genforschung. Da wollen die Menschen Gott spielen. Was dabei herauskommt,
kann sich der Christenmensch an fünf Fingern ausrechnen. Das lässt
sich der Herr im Himmel nicht gefallen und sein Zorn wird die Menschheit treffen
- und da ist die Paradies-Geschichte mit der Vertreibung aus demselbigen nix
gegen.
Dem Oberpriester liegt besonders schwer im Magen die Möglichkeit, mit Hilfe
der Gen-Technik "Genies nach Bedarf, Sklaven nach Bedarf" (ebd.) zu
erschaffen. Ist ja wirklich dreist, schließlich war diese Sortierung bisher
ausschließlich dem Herrn nach dessen unerforschlichem Plan vorbehalten!
Weil Schelauske ein rhetorisch brillanter Redner ist, hat er sich natürlich
das Beste für den Schluss aufbewahrt. Wenn wir nicht ab sofort wieder kräftig
an den Christengott glauben und nach dessen Vorschriften handeln,
übernehmen alternative Scharlatane aus der Sektion Aberglauben das Feld:
"Wenn Europa seinen Glauben verliere, dann sei die Stunde der Wertsysteme
anderer Welten gekommen: des Islam, des präkolumbianischen Amerikas oder
der asiatischen Mystik." (ebd.) Das brauchte keiner zusätzlichen Kommentierung
durch den Kirchenmann. Schließlich weiß ein jeder aufgeklärte
abendländische Christ und Rassist, dass die Heiden uns ans Leder wollen.
Der Deutschnationale
Auch wir vom Neusser Monat sind ganz gut im "Bogenschlagen". Nur
fällt der erheblich bescheidener aus als der des Kirchenmannes. Er reicht
lediglich vom Neusser Quirinusmünster zur Klosterschule Marienberg, zirka
100 Meter entfernt. Dort hatte vor wenigen Jahrzehnten ein gewisser Herr Manfred
Müller sein Handwerk der pädagogischen Indoktrination vervollkommnet,
bevor er in gleicher Mission zum Düsseldorfer Leibniz-Gymnasium wechselte.
Nebenbei beteiligte er sich zu damaliger Zeit an den Aktivitäten der Neusser
NPD und ließ sich sogar als deren Stadtratskandidaten aufstellen. Im weiteren
Verlauf seiner Karriere betätigte er sich als Lokalhistoriker, der einfühlsam
die Karrieren Neusser Nazis zwischen den Jahren 1923 und 1945 beschrieb. Natürlich
stieß auch ihm unangenehm auf, dass die Nazis ihr großes Projekt
"Deutschland" in den Sand gesetzt hatten. Er wollte es besser machen.
Als einen großen Fehler der Nazis sieht Müller deren Kirchenkampf
an. Er meint, dass gegen die katholische Kirche jedes große nationale
Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist. Umgekehrt zeigt er am Beispiel des gottesfürchtigen
Neuss, dass Vaterland und Religion eine durchschlagskräftige Einheit bilden
können: "Die glaubenstreuen Katholiken waren keineswegs vaterlandslose
Gesellen. Schon 1475 trotzten die Neusser, im Vertrauen auf den hl. Quirinus
und auf das Entsatzheer Kaiser Friedrich III., dem burgundischen Ansturm, als
Herzog Karl der Kühne durch seine Eroberungspolitik ein Großburgundisches
Reich schaffen wollte. 1923 verweigerten sich die Neusser den rheinischen Separatisten.
in den zwanziger und dreißiger Jahren sangen die Neusser Schützen
bei ihren Generalversammlungen stets O Deutschland, hoch in Ehren, du
heil'ges Land der Treu...' Von dieser betont vaterländischen Haltung zeugen
heute noch patriotische Beschriftungen von Schützenfahnen, noch stärker
fallen bei diesen Fahnen religiöse Inschriften und Bildmotive auf."
(Junge Freiheit, 20/00)
Jeder Nationalist sieht die Einheit von Volk und Nation, die zur Durchsetzung
nationaler Ziele vonnöten ist, von einer gegnerischen ideologischen Front
bedroht. Bei den Alt-Nazis waren es bekanntlich die Angehörigen des mosaischen
Glaubens. Heutzutage klingt es vornehmer, die Hauptgefahr für die zivilisierte
Menschheit im missionarischen Bestreben des Islam zu sehen.
Wie oben beschrieben es der Neusser Oberpfarrer "rhetorisch brillant"
erledigt, so kann es auch der stramme Deutschnationale Müller. Die Zersetzungsbestrebungen
des Islam sind ihm ein Dorn im Auge. In der Errichtung einer Moschee in einem
Neusser Vorort sieht er "ein unübersehbares Zeichen dafür, daß
der Islam sich in dieser ehemaligen Hochburg des rheinisch-deutschen Katholizismus
einwurzeln will." (ebd.)
Das "Volksfront-Magazin"
Steigbügelhalter für die Zersetzungsbestrebungen des Islam sind nach
Manfred Müller auch die Herausgeber und Gestalter des "Volksfront-Magazin"
(ebd.) Neusser Monat. Diese "Kommunisten sowie marxistischen Sozialdemokraten
und Grünen, für die Religion immer noch im Verdacht steht, Opium
des Volkes' zu sein" haben doch tatsächlich "vor vier Jahren
ironisch-zynisch vor(geschlagen), das spätromanische Neusser Quirinus-Münster
... in eine Moschee umzuwandeln, und zeigte(n) gleich im Bild, wie man sich
das vorstellte: das Standbild des hl. Quirinus von der barocken Vierungskuppel
entfernt und alle Türme verziert mit dem islamischen Halbmond." (ebd.)
Damals wollte der Artikelschreiber und Gestalter des "Neusser Monat"-Titelbildes
bestimmt nicht die Lanze für den Islam brechen. Vielmehr blieb ihm nach
näherer Kenntnisnahme der Ziele und Zwecke abend- und morgenländischer
Glaubensgewohnheiten nichts anderes übrig, als zu konstatieren, dass zwischen
den Inhalten der beiden Religionsgemeinschaften, also den Drohungen und Verzichtsforderungen,
nur unwesentliche Unterschiede bestehen. Darum schlug er vor, die beiden Fraktionen
des Aberglaubens mögen doch den zentralen Tempel in Neuss gemeinsam nutzen.
So ein versöhnlicher Vorschlag passt natürlich nicht in das Konzept
eines Glaubenskriegers.
Schlussbemerkung
Einigen Linken in unserem Lande sind die islamischen Glaubenskrieger und Betbrüder
- insbesondere, wenn diese mit israelischen Soldaten ihre Scharmützel veranstalten
- ebenfalls ein Dorn im Auge. Sie sehen in ihnen eine Gefahr für den zivilisierten
Westen.
Hierzu zwei Fragen:
1. Vor welchen Karren lassen sich da die Kritiker spannen (siehe oben)?
2. Sind die Resultate der Zivilisierung unter christlicher Führung vielleicht
vergleichbar mit den mörderischen Konsequenzen des islamischen Fundamentalismus?