Somuncu las "Mein Kampf" in Potsdam

Öffentliche Lesung nur mit Schutzweste!

"Die Drohung ist das Beste, was an diesem Abend im Kampf gegen den Rechtsextremismus passieren konnte", sagte der deutsch-türkische Neusser Künstler, nachdem die rechtsextremistische "Nationale Bewegung" in einem Schreiben gedroht hatte: "Im Theaterhaus wird das Blut derer fließen, welche meinen, sich mit der Teilnahme an der Veranstaltung schmücken zu können." Doch nach dem Verlesen der Morddrohung verließ niemand der fast 700 Besucher im Hans-Otto-Theater den Saal. Es kam aber zu keinen Zwischenfällen. Somuncu trug auf Anraten der Polizei eine kugelsichere Weste, die er jedoch unter dem tosenden Beifall des Publikums später auszog. Trotzdem nimmt er die Drohung durchaus ernst - es ist schon die siebte, die er erhalten hat. Seit vier Jahren liest er bundesweit aus "Mein Kampf". Der Auftritt war sein tausendster. Am Tag der Lesung wurde vor 68 Jahren (30. Januar 1933) Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. In ihrem Drohbrief schrieben die Rechtsextremisten u.a., die Lesung richte sich gegen "den größten deutschen Kanzler". Bisher konnte die mit den Ermittlungen betraute Bundesanwaltschaft noch keine Ergebnisse vermelden. Die "Nationale Bewegung" hat in den vergangenen Monaten Brandanschläge auf den jüdischen Friedhof in Potsdam und auf türkische Imbissstände verübt.

(Die Informationen wurden einem Artikel der Berliner Zeitung entnommen.)