KPD contra Hitler-Faschisten
Konfuser Antifaschismus

Dass die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 1933 die Machtübernahme der Hitler-Faschisten nicht hat verhindern können, dürfte allgemein bekannt sein. Den Hauptgrund für diese folgenschwere Niederlage hat unlängst die Antifa-Gruppe MAGMA so zutreffend herausgearbeitet, dass der Rezensent sich aufs Referieren beschränken kann.
Die Quintessenz des Buches, das im DKP-nahen Verlag Pahl-Rugenstein erschienen ist, lässt sich so formulieren: Die KPD-Politik basierte auf einem unzulänglichen Faschismusbegriff, der einem falschen Verständnis des Kapitalismus entsprang. (Seite 256ff.)

Verkürzter Faschismusbegriff

Gegen die antisemitischen Pogrome, die der Auftakt waren zur "Ausrottung der Juden", wandte sich die KPD 1939, weil dadurch "die deutsche Ehre beschmutzt" werde (257). Alle "anständigen Deutschen" träten nämlich mit aller Kraft dem Antisemitismus der Hitler-Faschisten entgegen (224). Diese groteske Fehleinschätzung ist einer Theorie geschuldet, die den Faschismus reduziert auf eine Clique brauner Banditen, die nichts als Handlanger der Finanzkapitalisten sind. Die "Massen" hingegen werden zu lauter guten Menschen idealisiert, die mitunter unreif, fehlgeleitet und irregeführt seien (194). Dass die deutschen "Massen" häufig als Hitlers willige Helfer fungierten, weil ihr Nationalismus die Hirne vernebelte, will ein solchermaßen verkürzter Faschismusbegriff nicht wahr haben. Stattdessen wollte die KPD die "irregeleiteten Massen" mittels ihrer "Programmerklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes" für die "Volksrevolution" gewinnen (197ff.). Dergestalt affirmierten die Kommunisten das falsche Bewusstsein der Lohnabhängigen, statt es zu kritisieren, weil es die materiellen Interessen seiner Träger ignoriert.

Falsche Kapitalismus-Analyse

Aufgrund der Konstruktion, die "Volksmassen" seien im Prinzip gut und fortschrittlich, verstellte sich die KPD den Blick für die Kritik des Nationalismus, dessen brutalste Form der Nationalsozialismus der Hitler-Faschisten war. Dass die Kommunisten gar die antisemitische Hetze gegen das "jüdische Finanzkapital" zu einer Form des antikapitalistischen Widerstandes umdefinierten, resultierte aus ihrer oberflächlichen Kapitalismus-Analyse (260f.).
Obwohl Karl Marx den Kapitalismus bereits Mitte des 19. Jahrhunderts seziert hatte, kritisierte die KPD nicht die Warenproduktion, deren menschenunfreundlicher Zweck der betriebswirtschaftliche Gewinn ist, sondern den Egoismus der Kapitalisten, der darin bestehe, dass sie sich die gesellschaftlich produzierten Werte privat aneignen. Gar nicht in den Sinn kam den Kommunisten, dass die Bedürfnisbefriedigung der Zweck der Produktion sein muss, damit die Produktion für den Menschen und nicht der Mensch für die Produktion da ist. Statt gegen die Verkehrung von Subjekt und Objekt in der warenproduzierenden Gesellschaft zu agitieren, betrieb die KPD "eine Idealisierung der (Lohn-)Arbeit, die völlig vergessen ließ, dass die Befreiung von der Notwendigkeit, die eigene Arbeitskraft zu verkaufen, um materiell überleben zu können, einmal Ziel der revolutionären Arbeiterbewegung gewesen war" (261).

Historische Nutzanwendung

Die Gruppe MAGMA hat sich mit der Geschichte der KPD beschäftigt, weil sie daraus Lehren für den heutigen Antifaschismus ziehen wollte. Die zentrale Lehre sei hier genannt: Den Faschisten ist nur dann das Handwerk zu legen, wenn das Ziel der antifaschistischen Politik "die Aufhebung des Staates und der warenproduzierenden Gesellschaft" ist (260).

Franz

Gruppe MAGMA (Hg.): "... denn Angriff ist die beste Verteidigung" - Die KPD zwischen Revolution und Faschismus. Pahl-Rugenstein, Bonn 2001,   18,50

www.neusser-monat.de (20.4.2002)