Im Herbst Schichtende für 170 Neusser Arbeitsleute

Voith AG schließt Jagenberg Maschinenbau

Kaum sind die Wogen um die gerade noch verhinderte Schließung des Neusser Schraubenwerkes Textron halbwegs geglättet, dräut neues Ungemach über Neusser Arbeitsleute hereinzubrechen.
Dieses Mal ist es der Jagenberg-Betrieb im Neusser Süden, um den sich nun der IG-Metall-"Feuerwehrmann" Dieter Termöhlen kümmern muss.
Wie schon in den vorangegangenen Kämpfen um die Schließungen von Case, Ideal Standard und zuletzt Textron wird es wieder ein ziemlich einsamer Kampf der Kollegen werden. Vor wohlfeilen Sympathieerklärungen werden sie sich bald nicht retten können, kämpfen müssen sie aber alleine. Das haben die vergangenen Auseinandersetzungen geziegt: Nie gab es sichtbare Versuche, eine breite, auf andere Betriebe übergreifende Solidaritätsfront aufzubauen.
Zu den Fakten: Ende Oktober sollen 170 Beschäftigte bei Jagenberg ihren Arbeitsplatz verlieren. Wegfallen soll der Bereich der Jagenberg Maschinenbau GmbH. Der andere Teil in Neuss, die Papiertechnik GmbH soll einstweilen erhalten bleiben. Ende Oktober letzten Jahres war der gesamte Komplex, der im Besitz der Rheinmetall war, an die Voith AG mit Sitz in Heidenheim verscherbelt worden.
Der Sprecher des neuen Besitzers, Friedrich-Karl Finck, spricht von "gravierenden operativen Verlusten" und "erheblichen Auslastungsproblemen" (nach NGZ v. 23.2.02). Zwei Wochen vorher soll alles noch ganz anders geklungen haben, "Schwarze Zahlen" sollen dem Betriebsrat vorgelegt worden sein. Als könnte das ein Widerspruch zu den geplanten Entlassungen bzw. "betriebsbedingten Kündigungen" sein. Im Gegenteil: gerade wegen der "schwarzen Zahlen" sprich Profite müssen die Kollegen schon mal in den sauren Apfel beißen und vom Arbeitslosengeld leben.
Stadt Neuss und "hohe Politik" tut höchst erstaunt wie so oft in diesen Fällen. Lediglich SPD-Fraktionsvize Reiner Breuer will bei der Übernahme durch die Voith AG schon etwas geahnt haben. Denn dies ist übliche Praxis: Aufkaufen und prüfen, welche Teile profitabel sind, Unrentables wieder abstoßen. Das ist shareholder-value-Praxis -alltäglicher Kapitalismus.
HPJ

www.neusser-monat.de (7.3.2002)