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Laut einer Meldung der ARD machten sich am Samstag, dem 13. April in Düsseldorf
ca. 5000 Menschen, vorwiegend Araber, vom Burgplatz aus auf den Weg, um ihrer
Forderung nach Beendigung des "Vernichtungskrieg(es) gegen Palästina"
Gehör zu verleihen.
Schon im Vorfeld der Demo kam es beim Friedensforum Düsseldorf, das verantwortlich
die Demo organisierte, zu heftigen Kontroversen um den Titel der Veranstaltung.
Trifft der Begriff "Vernichtungskrieg", der hierzulande vornehmlich
auf den Feldzug Hitlers gegen die Sowjetunion bezogen wird, auch auf die israelische
Kriegführung im Nahen Osten zu?
Offenbar feinsinnig differenzieren einige Freunde des Friedens zwischen einer
verachtenswerten und einer zivilisierten Kriegführung: Wobei die Mittel
und Methoden des zivilisierten Krieges sich nach den angestrebten Zielen und
Zwecken ausrichten und der verachtenswerte Krieg reiner Mord- und Totschlag
bedeutet. (Quizfrage: In welche Kategorie gehörte eigentlich der Vietnam-Krieg?)
Auch wurde die mangelnde Berücksichtigung der legitimen israelischen
Interessen beklagt. Haben wir als deutsche Antifaschisten überhaupt das
Recht, den Staat Israel, die Heimstatt der Juden, der Überlebenden zu
kritisieren?
Es ist schon etwas idealisierend, den Staat Israel auf diese Formel zu reduzieren.
Es ist richtig, dass viele überlebende Juden im Staate Israel ein sicheres
Zuhause vermuteten. Aber alleine in der Entstehungsgeschichte des Landes waren
Gründe für kriegerische Konflikte gegeben. So dient bis heute die
Vertreibung der Palästinenser von ihrem Grund und Boden diesen als Vorwand,
Israel die Souveränität über ihren eigenen Laden zu bestreiten.
Wohl kaum bestritten werden kann, dass die USA mit Israel einen Brückenkopf
zur Kontrolle des Nahen Osten eingerichtet haben und von ihm mehrfach Gebrauch
gemacht haben zur Befriedung der Region in ihrem Interesse. Das hat den Israelis
so manchen Krieg eingetragen - mit den bekannten Folgen.
Wer also freiwillig - hier sind nicht die Überlebenden des Holocaust
gemeint - sich Israel als Heimstatt aussuchte, musste ein ziemlich hartgesottener
Typ sein.
Was wollen die Palästinenser?
Tatsächlich bilden sie sich ein, das höchste Glück auf Erden
sei der eigene Staat - und, wenn sie noch viel mehr Glück haben, vom
Imperialismus als nutzbares Völkchen Verwendung zu finden. Dafür
kalkulieren sie die Selbstvernichtung ein: Nicht nur als lebende Bomben, sondern
auch als gemeines Volk, deren ohnehin ruinierte Überlebensbedingungen
nun vollständig zunichte gemacht werden. Und das gilt dann wiederum als
Argument für den totalen Krieg. Scheinbar widersinnig, doch gehören
die beiden Seiten des Krieges unmittelbar zusammen: Die Selbstzerstörung
auf der einen Seite und das Streben nach Recht, Freiheit, Wohlstand und was
sonst noch so im Angebot ist.
Auf der Demo hielten klagende Mütter die Bilder von zerschundenen Kinderleibern
hoch als Argument für die gerechte palästinensische Sache. Welch
ein Zynismus!
Was wollen die Israelis?
Sie haben das Glück, als Staat mit all den Machtmitteln ausgerüstet
zu sein, denen es dem werdenden Staat der Palästinenser noch fehlt. Darum
können sie als zivilisierte Krieger mit ihrem Gegner kalkulierend abrechnen.
Die Militäraktionen sind berechnet auf Erfolg. Und der bedeutet, dass
der Gegner zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen wird. Einen Palästinenserstaat
soll es nicht geben, und schon gar nicht eine Rückkehr der Flüchtlinge
in die heimatlichen Gefilde ihrer Väter auf dem Gebiet des heutigen Israel.
Außerdem hat Israel durch seine Siedlungspolitik sich schon weit in
Palästinensergebiet vorgearbeitet und sieht überhaupt nicht ein,
diese Positionen dran zu geben.
Für diese Zwecke wird nicht nur ein jahrelanger Kriegszustand für die eigene Bevölkerung in Kauf genommen sondern auch feindliche Terrorattacken, die ein normales und ungefährdetes Alltagsleben in Israel unmöglich machen. Auch in Israel paart sich die Brutalität des Krieges nach innen und außen mit den hehren Kriegszielen, die Freiheit, Selbstbehauptung, Wohlstand für die Israelis versprechen.
Was wollen die Demonstranten?
"Die Zivilbevölkerung in vielen Städten des besetzten Gebietes
lebt unter entsetzlichem Terror und ständiger Angst.
Wasser und Strom sind abgestellt. Alte und Kranke, Frauen und Kinder leiden
unter Hunger, Durst und der fehlenden Versorgung mit dem Nötigsten. Brot,
Milch und andere Lebensmittel sind wegen der Ausgangssperre nicht erhältlich.
Die Lebensgrundlage der palästinensischen Bevölkerung und die zivile
Infrastruktur wird systematisch zerstört. Wohnhäuser werden von
den Soldaten gesprengt und andere in Brand gesteckt. Feuerwehren und Ambulanzen
wird jede Aktion systematisch verwehrt.
Verletzte verbluten. Krankenhäuser werden gestürmt. Dutzende Gefangene
sollen sogar auf offener Straße hingerichtet worden sein. Die Presse
und internationale humanitäre Organisationen werden an der Ausübung
ihrer Arbeit gehindert.", so heißt es im Flugblatt des "Bündnis
‚Solidarität mit Palästina' Düsseldorf". Ein schauerliches
Bild zeichnen die Verfasser des Flugblattes. Und es bestehen keine Zweifel,
dass die Beschreibung korrekt ist. Aber auf die Idee, dass der Staatsgründungskrieg
der Palästinenser eine ziemlich ungesunde Angelegenheit ist und darum
beendet gehört, wollen sie nicht kommen. Vielmehr dienen die Opfer als
Argument, den Anliegen der Palästinensern schlagkräftigen Ausdruck
zu verleihen.
Da die Freiheitskämpfer es aber nicht alleine schaffen können, appellieren
sie an die Weltöffentlichkeit, sie in ihrem Kampf zu unterstützen.
Leider befinden sie sich hier auf verlorenem Posten. 1. haben die USA klargestellt,
dass sie auf der Seite Israels stehen. 2. bedeutet das vorsichtige Engagement
der EU für gleichberechtigte palästinensische Interessen eher das
Anmelden des Rechts zur Mitsprache in der Region an die Adresse der USA, das
von der Gegenseite glatt zurückgewiesen wird.
www.neusser-monat.de (13.4.2002)