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Eine grandiose schauspielerische Leistung bietet Anfang dieses Jahres Patrick
Schad in der Komödie "Der Erzbischof ist da" im Neusser Kulturkeller
an der Oberstraße.
"Das einzig wahre Moment Theater" zeigt dort das Ein-Personen-Stück
von Peter Sattmann, selber Schauspieler, das 1980 in Bochum unter dem Titel
"Die letzte Rolle" nur einmal aufgeführt wurde.
Unter der fruchtbaren Doppelregie von Michael "Teck" Rogner und
Jürgen Wagenbach gelingt es Patrick Schad, den Monolog des gescheiterten
Schauspielers Kastrop bravourös in Szene zu setzen. Der Zuschauer wird
nie gelangweilt, sondern muss stets aufmerksam die begleitenden Gesten, die
wie beiläufig getätigten banalen Handlungen beobachten. Der Autor
des Stückes hat auf Regieanweisungen völlig verzichtet, so dass
die Regisseure allein auf ihre Erfahrungen und Intuitionen angewiesen waren.
Der Zuschauer wird vom "Todgeweihten" köstlich unterhalten,
man erfährt so Manches aus einem gescheiterten Künstlerleben, von
verpassten und erst recht verpatzten Auftritten und galanten Abenteuern auf
dem Schnürboden des Theaters, der auch zum Ort des geplanten Selbstmordes
ausgewählt wird. Eine vorher angedachte und lautstark vorgeführte
Probe-Selbsttötung durch einen Revolver bleibt dem Zuschauer dabei nicht
erspart und wird nur durch mitgelieferte Ohrstöpsel abgemildert. So wird
der Zuschauer auch mitgenommen auf Ausflüge in die Welt der Philosophie
und der Astronomie. Halb belustigt, halb nachdenklich verfolgt er die Vorbereitungen
für Kastrops "letzten Akt": eine feine Robe soll der Selbsttötung
einen besonderen Glanz verleihen.
Dass zum Schluss selbst dieser Selbstmord misslingt - ein zufälliger
Absturz vom Schnürboden bringt Kastrop schließlich in den Schauspielerhimmel
- zeigt die ganze Tragik dieses Menschen: hier entscheidet ein Mensch trotz
seines lebenslangen Scheiterns souverän über sein Ende, welches
tragischer Weise ihm dann doch wieder aus der Hand genommen wird: Selbstbestimmung
kann es unter den derzeit waltenden Verhältnissen für ihn nicht
geben.
HPJ
Weitere Aufführungen im Kulturkeller: 7., 15., 21. und 28. Februar.
Kartenvorbestellung 40 94 94