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Seit Wochen werden in Nordrhein-Westfalen literweise Tränen vergossen
ob des Umstandes, dass der NRW-Innenminister Behrens beschlossen hat, die
Reiterstaffeln der Landespolizei aus fiskalischen Gründen abzuschaffen.
Seitdem dieser Beschluss an die Öffentlichkeit gelangt ist, machen landauf
landab sogenannte Pferdefreunde mobil - sei es, dass sie die Leserbriefspalten
der Lokalpresse zumüllen, sei es, dass sie die Kundgebungen der grünen
Reiterfreunde lautstark unterstützen. Bis Mitte Januar waren mehr als
40.000 Unterschriften für den Erhalt der Reiterstaffeln gesammelt. Selbst
die Süddeutsche Zeitung (NRW-Ausgabe) musste feststellen, dass "der
‚soziale Kahlschlag' bei benachteiligten Menschen, von Wohlfahrtsverbänden
beklagt, (...) bislang kaum so viele Herzen zu erweichen (vermochte) wie jene
121 Pferde der Polizei:" (SZ, Ausg. 8/03)
Dabei sollen diese Pferde noch nicht einmal geschlachtet und verspeist werden,
sondern können lt. Minister Behrens ihr Gnadenbrot bei Privatpersonen
erhalten.
Düsseldorfs OB Joachim Erwin (CDU) befand: "die Abschaffung der
Reiterstaffeln sei ‚kurzsichtig, töricht und gegen die Sicherheit des
Bürgers gerichtet'", so die Süddeutsche. In ihrer Ausgabe Anfang
Januar (11/03). Womit wir beim Thema wären.
Nicht nur zur Kaiserzeit und der Weimarer Republik wurden Reiterstaffeln bevorzugt
eingesetzt, wenn es galt, unbotmäßige Bürger oder Lohnarbeiter
zur Räson zu bringen. Eine Ulla Grimm brachte es in der WZ auf den Punkt:
"Vor der natürlichen Autorität der Pferde haben selbst aggressions-
und tatbereite Zeitgenossen merklichen und nachweisbaren Respekt." Jawoll.
Auch in den 60er und 70er Jahren konnten "aggressions- und tatbereite
(Zeit)-genossen" bei ihren Protesten gegen die ach so "friedfertigen"
US-Boys und ihre Unterstützer in Bonn, die doch nur die "Freiheit
in Vietnam, Kambodscha und anderswo" verteidigten, körpernahen Kontakt
mit Reiterstaffeln der Polizei machen. Später gab es dann auch schöne
Lektionen für die Anti-Atomaktivisten in Brokdorf und anderswo.
Berühmt wurde weiland auch die Unterrichtsstunde ganz anderer Art, die
Rudi Dutschke auf dem Berliner Kurfürstendamm gab: Er hängte sich
an den Schweif eines Polizeipferdes und irritierte dieses damit empfindlich.
Noch wirksamer aber war der Vorschlag unter den damaligen Genossen, zu einer
Demo, auf der Pferdestaffeln zu erwarten waren, ja nicht ohne die aus Kindertagen
bekannten Glasmurmeln zu erscheinen. Diese bewirkten wahre Wunder und brachten
so manchen ausschlagkräftigen Gaul mächtig aus dem Tritt. Dieses
Mittel versagt aber völlig in matschigem und waldigem Gelände, was
dem Autor dieser Zeilen nebst seinen Genossen arg im Gedächtnis hängen
geblieben ist. Aber lang ist`s her.
Merke: Auch Tierfreundschaft hat ihre Grenzen.
HPJ