Trittbrettfahrer

 

Am 12. März meldet die Rheinische Post einen historischen Sieg über das Schwarzfahrerunwesen zu Düsseldorf: 108 Beförderungserschleicher wurden innerhalb von 60 Minuten dingfest gemacht. Die Kontrolleure wörtlich: „So viele haben wir nicht erwartet.“ (ebd.)

Dass bei den Kontrollen im letzten Jahr 900 000 Euro eingenommen wurden, ist nicht der einzige positive Effekt der Maßnahme. Die erzieherische Wirkung bleibt auch nicht aus, so der Einsatzleiter Ibach: „Nach mehreren Tagen auf einer bestimmten Strecke treffen wir da nur noch auf Menschen mit gültigem Fahrschein.“ (ebd.) Die Rheinische Post wollte auch Volkes Stimme vernehmen und – es war nicht anders zu erwarten – ein weiblicher Fahrgast zeigte viel Verständnis für die Kontroll-Aktionen der Rheinbahn.

Also eine rundum positive Geschichte, könnte man meinen, gäbe es da nicht böse Trittbrettfahrer, die zwar das Gleiche machen wie die Rheinbahn-Polizisten, denen aber die Legitimation fehlt und darum als üble Betrüger gelten, die alte Menschen belästigen.

In derselben Ausgabe der RP findet sich nämlich die Meldung, dass die Deutsche Bahn AG vor Halunken warnt, „die sich derzeit in Nahverkehrszügen an Rhein und Ruhr als Kontrolleure ausgeben. Die Betrüger hätten es vor allem auf ältere Menschen abgesehen, bei denen sie durch ‚gezielte Einschüchterung’ die Schwarzfahrergebühr von 40 Euro in bar kassierten.“ Pfui!

Sollen sich nun die alten Leutchen bei der Bahn melden und ihr Unglück kundtun? Dann sind sie wohl noch mal 40 Euro los.


www.neusser-monat.de (20.3.2004)