Warum eine
stumpsinnige
Nazi-CD für Furore sorgt
Die Kritik der
Kritik
ALC schreibt:
1. "Die Comic-Broschüre des Verfassungsschutzes NRW jedoch war schon ein Jahr vor dem Vorhaben der NPD in Planung und hat daher nichts mit der NPD-Schulhof-CD zu tun."
Das Comic wurde anlässlich der Schulhof-CD der NPD den Schulen angeboten. Alle Lehrer haben die entsprechenden Informationen vom Innenminister erhalten. ALC sollte vielleicht bei denjenigen nachfragen, die mitten im Metier stehen, und nicht so großspurig daherreden.
Und es geht weiter:
2. "Die Kritik am staatstragenden Antifaschismus hat inhaltlich so gut wie gar nichts mit der Materialmappe der Arbeitsstelle Neonazismus zu tun, deren Tätigkeiten sich nach Sichtung ihrer inhaltlichen Angebote schwerlich mit dem „Aufstand der Anständigen“ in Einklang bringen lassen." Wenn ALC das sagt, dann muss es wohl stimmen!
Und noch eins drauf:
3. "Die Behauptung im obigen Text, die Materialmappe wäre lediglich aus „ dem misslichen Umstand, dass die Staatsanwaltschaft keine Möglichkeit sieht, die CD zu verbieten“, entstanden, entbehrt jeglichen Belegs. Sie ist schlicht falsch." Vielleicht sollte man, bevor man solch gewaltige Sprüche tut, mal dem Verweis im Text nachgehen: S. 5
Dort findet man:
"Der rechtliche Rahmen wird es zwar teilweise erlauben, den Tonträger an Schulen oder in Jugendeinrichtungen einzuziehen, doch Erfahrungswerte der letzten Jahre belegen, dass die CD trotzdem bei Jugendlichen kursieren wird. Dem Weltbild der NPD und ihrer nationalistischen und rassistischen Agitation gilt es daher argumentativ entgegenzutreten."
Und unter Punkt 4 schreibt ALC:
"Ebenso falsch ist die Behauptung, die „Argumentationshilfe“ sei lediglich für die „staatlich beauftragten Erzieher“ und nicht für die Schüler/innen verfasst worden."
Was finden wir hierzu im entsprechenden Text:
"Eltern, Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter sehen sich nun mit der Frage konfrontiert, welche Inhalte mit dieser CD verbreitet werden, wer die NPD ist und was diese will. ... Unseres Erachtens ist es für Eltern und Pädagogen wichtig, sich mit den Inhalten der CD auseinanderzusetzen, um Fragen von Jugendlichen begegnen zu können."
Es wäre angebracht gewesen, dass ALC erst einmal den Gegenstand der Kritik zur Kenntnis nimmt, bevor er seine Thesen in die Welt setzt und derart auf den Putz haut. Aber es ist wahrscheinlich schwierig, von einer lieb gewonnenen Ideologie Abstand zu nehmen - da schwätzt man sich doch lieber die Welt so zurecht, dass sie ins eigene Weltbild passt.
Jeder blamiert sich so gut wie er kann.
Nachdem Henrici so viel Schimpfe abbekommen hat, wird ALC inhaltlich. Er betont, dass für ihn und den angesprochenen Personenkreis die Anti-Schulhof-CD-Schrift äußerst wertvoll sei. Bei „einem nicht unerheblichen Teil unbedarfter Jugendlicher“ findet die CD mit ihren „subkulturellen Codierungen“ Anklang, aber Lehrer und Lehrerinnen können das nicht verstehen. Weil Neo-Nazis ähnliche Sprüche wie Linke drauf haben, seien die LehrerInnen mächtig verwirrt. Und hier ist nun das Arbeitsfeld der Antifaschisten. Sie „dechiffrieren … die subkulturell chiffrierten Codes und Symbole“.
Aha! Gewieft sind die Nazis. Da muss man erst mit Geheimdienstmethoden die Agitation untersuchen, um den Gehalt der Nazi-Sprüche zu verstehen. Das wäre aber eine seltsame Agitation, die vom Normalo ohne entsprechende Hochschulbildung überhaupt nicht zu verstehen bzw. einzuordnen ist!
Man kann es drehen und wenden wie man will. Falls sich die Neo-Nazis als Linksradikale tarnen, bekommen sie dann Zulauf von eben dieser Klientel? Und die merken es gar nicht, dass sie bei den Nazis gelandet sind? Oder wie wollen die Nazis mit scheinbar linksradikalen Sprüchen auf rechtsradikal angehauchte Jugendliche Eindruck machen. Wenn rechte Jugendliche von angeblich „links“ besetzten Parolen fasziniert sind, dann können sie diese sehr wohl einordnen. Dann verbinden sie die „imperialistische Globalisierung“ mit dem Ausverkauf Deutschlands und „Antiamerikanismus“ bedeutet die Behinderung der nationalen deutschen Interessen weltweit.
Da braucht es keiner „Dechiffrierung“ irgendwelcher „Codes“. Die Nazis sagen es genau so, wie es bei ihrer Klientel auch ankommt. Man muss es nur lesen (wollen). Und genau da tut sich der staatlich verordnete Antifaschismus schwer. Wenn der Demokrat die Abschiebung unnützer Hungerleider verlangt ist das schwer zu unterscheiden von der Parole „Ausländer raus!“ Ausländer, die uns die Arbeitsplätze wegnehmen wollen und die Sozialkassen belasten bzw. ausrauben, haben sowohl die Demokraten wie auch die Nazis auf dem Kieker. Die feinsinnige Unterscheidung gelingt dann den aufrechten Freizeit-Antifaschisten, die den „Code dechiffrieren“ und erkennen, dass hinter den abgeschobenen Ausländern bei den Nazis vielleicht das Bild vom raffgierigen Juden steht.
Die merkwürdige Diagnose der Nazi-Politik bei den Antifaschisten hat den gleichen Grund wie die Unfähigkeit der Demokraten, Nazis zu kritisieren. Denn mit den politischen Ziel- und Zwecksetzungen des demokratischen Staates ist eben dem Faschismus nicht beizukommen.
Ach ja, da gibt es noch die Symbolwelt der Nazis. Merkwürdige Zahlensymbole verweisen auf kernige Alt-Nazi-Sprüche. Nazis fühlen sich ganz toll, wenn sie beispielsweise mit der Zahl 88 auf ihrem Hemd durch die Welt laufen können. Genau dieses Verhalten ist das Pendant zur Verlaufsform staatlicher Verfolgung der Nazis. Weil sich bürgerliche Faschismuskritik auf die platte positive Bezugnahme auf nationalsozialistische Begebenheiten beschränkt, gibt dies den Nazis die Möglichkeit, mit albernen Mitteln die Staatsgewalt zu foppen, ohne deren Gegenwehr fürchten zu müssen.
ALC wirft Henrici vor, er verharre „auf der Verkündung der wahren Lehre vom eigentlichen ‚Hauptwiderspruch’“ und er mache sich nicht die Mühe „konkreter inhaltlicher Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der Kritik“. Belegt wird diese Behauptung mit dem letzten Satz des Aufsatzes: „Der Antifaschist will einfach nicht wahrhaben, dass Demokratie und Faschismus nur zwei Spielarten bürgerlicher Herrschaft sind.“ Die Schlussfolgerung aus einer dreiseitigen Analyse wird von ALC als die Analyse selbst genommen. Genauso geht er mit dem Spruch, Nazis seien schlichte Gemüter, um. Obwohl er selbst erkennt, dass diese Beurteilung ein „Fazit“ ist, zieht er daraus den Schluss, „Konkrete Erscheinungsformen neofaschistischer Einflussnahmen auf Jugendliche … scheinen ihn nicht zu interessieren.“
ALC wirft Henrici vor, er schmeiße „unterschiedliche inhaltliche Ebenen ideologisierend in einen Topf“. Belegt wird diese Schlussfolgerung mit einer verzerrten Wiedergabe des Textes von Henrici: „Die Globalisierungskritik der Nazis ähnele der von dem globalisierungskritischen Netzwerk ATTAC, so der Kritiker.“ Geflissentlich übersehen hat ALC dabei, worin sich Nazis und ATTAC laut Henrici in Sachen Globalisierungskritik ähneln. Darum hier noch einmal der Originalsatz: „An der Globalisierung kritisieren die Faschisten – übrigens genau wie die Freunde von Attac – die Entmachtung des Staates.“ Aber das musste er auch, denn sonst wäre die folgende Konstruktion nicht möglich gewesen: ALC bringt Henrici nämlich in Verbindung mit „staatskonformen Extremismustheoretikern“, dem „Verfassungsschutz“ und dem „CDU-geführte(n) Schulministerium in NRW“. Das wäre doch mal lustig, wenn der Verfassungsschutz das Beklagen eines handlungsunfähigen Staates als staatsfeindlichen Gedanken diagnostiziert.
ALC wirft Henrici vor, er habe „die inhaltliche Tiefe der Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der Kritik vernachlässigt“ und erteilt die Beurteilung „Thema verfehlt“. Gott sei Dank geht ALC mit seinen Beurteilungskriterien und seinem Beurteilungsvermögen nicht auf „unbedarfte“ Schüler los. Denn für einen – insbesondere kritischen - Schüler bedeutet es nichts Gutes, der Willkür eines kritikresistenten Lehrers, der sich die Welt nach seinen Vorgaben zurechtdichtet, ausgesetzt zu sein.
Kleiner Nachtrag:
Al C. ist ein Liebhaber der Staatsgewalt. So gelingt es ihm repressive Maßnahmen in ein Instrument des Fortschritts zu verwandeln. Er schreibt: „Und was hat das Kopftuchverbot mit Faschismus zu tun? Soll staatlich verordnete Säkularität im Unterricht etwa Ähnlichkeiten mit totalitären Politikvorstellungen der NPD aufweisen?“ Wenn man den Inhalt des angekündigten Kopftuchverbotes in NRW ausblendet, - Bekleidung, die den Schulfrieden stören könnte, ist verboten. Ausdrücklich ausgenommen sind das Kreuz und die Nonnentracht. - dann gelingt es dem aufrechten Antifaschisten, die Staatsgewalt schönzureden.