Die Analyse des GegenStandpunkt-Verlags in Radio Lora
München vom 12. November 2007
GegenStandpunkt – Kein Kommentar im Freien Radio für
Stuttgart vom 14. November 2007
Religiöse Fanatiker und regierungsfeindliche Umtriebe,
wie sie Bush, Merkel und die freie Presse schätzen und brauchen können
Worum es dort unten geht, das weiß ein deutscher
Bürger sofort, wenn er seine Zeitung liest: Für die Süddeutsche Zeitung „geht
es hier um viel… Birma liegt mittendrin in einem geostrategischen Spannungsfeld,
vielleicht dem größten der nächsten Jahrzehnte. Und es hat Ressourcen, nach
denen es viele gelüstet: Öl und Gas.“ Die „Süddeutsche“ unterstellt den
Leser als einen, der das wie ein Sachzwang daherkommende Interesse der
freiwestlichen Außenpolitiker teilt, dass man sich da unmöglich heraushalten
und die Kontrahenten ihre Gegensätze allein austragen lassen kann. Deutsche
Politiker berührt es selbstredend,
welchen Einfluss andere Mächte auf dem Globus haben, denn womöglich
haben die ja zu viel und beschneiden damit die deutschen Interessen.
Aber offensichtlich
unterstellt die Presse, dass auch ihre Leser, die im richtigen Leben ganz
andere Sorgen haben, aufpassen, dass „geostrategisch“ alles mit rechten Dingen,
sprich: im nationalen Interesse Deutschlands, zugeht. Zumal es da um „Ressourcen“
geht, auf die „viele“ scharf sind, auf die also auch „wir“ unbedingt
scharf sein müssen. Dumm ist nur, dass da der „Westen“ nicht drin
ist, sondern außen vor. Eine Militärregierung hat nämlich laut SZ „das Land
über die Jahrzehnte abgeschottet und heruntergewirtschaftet“. Dabei wollten
die Freiheit und ihr Kapital sich immer schon Zugang zu diesem schönen Land,
seinen Leuten und den dort herumliegenden „Ressourcen“ verschaffen. An harscher
Kritik, also Einmischung in die „inneren Angelegenheiten“ Birmas nebst deren
praktischer Umsetzung mittels Wirtschaftssanktionen hatte es deshalb
nicht gefehlt. Alle Drohungen und Erpressungen haben aber bislang nichts
gefruchtet, weil vor allem China und Indien ungerührt Geschäfte mit dem
„Regime“ machen und so dafür sorgen, dass die Generäle es sich weiter leisten
können, die führenden kapitalistischen Weltwirtschaftsmächte bei der Benutzung
ihres Landes zu behindern. Die freie Presse ist sich da einig mit den Herren
der freien Welt: Das Land steht dem Westen einfach zu! Und deshalb hält sie es
für einen Verstoß gegen die von EU und USA definierte „political
correctness“, wie die Junta Staat macht, und für einen Skandal, dass sie
dabei immer noch Unterstützung von außen bekommt. Bloß weil die Generäle den
Interessen des Westens nicht nachkommen, also einfach andere politische
Ziele haben, werden sie als Verbrecher abgekanzelt. Dabei weiß nicht nur ein
verantwortungsbewusster Staatsmann, sondern auch ein demokratischer Journalist,
dass ein politisch korrekter Führer seines Volkes nicht immer und in jeder
Weltecke mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen kann, was aktuell
z. B. den thailändischen Militärdiktatoren konzediert wird. Auch
als der präsidierende „pro-westliche“ pakistanische General einen
Protest seiner heimischen Geistlichkeit in der Roten Moschee niedermetzeln
ließ, stieß er auf volles Verständnis, weil sich Muscharraf keinesfalls
anti-westlichen Interessen beugen durfte. In
so einem Fall wäre es natürlich immer wünschenswert, wenn auch noch das Volk
per Wahl seine Zustimmung zu seinen, dem Westen gewogenen Herrscherfiguren
gibt. Denn das dient der Stabilität und der Orientierung in die richtige
Himmelsrichtung. Aber wenn das dort im Interesse eben dieser Stabilität und des
Friedens in der Region gerade nicht geht, dann muss so eine Herrschaft deswegen
nicht gleich weggeputscht werden.
Bei Myanmar ist sich die Presse jedenfalls
einig: Die dortige Herrschaft ist unrechtmäßig und gehört weg. Staaten, die mit
den birmanischen Machthabern Geschäfte machen und sie damit weiter an der Macht
halten, begehen nach Auffassung der
NATO-Bündnispartner und der sich in deren Interessen einfühlenden Journalisten
selbst Unrecht.
Denn die Bürger Birmas haben als Menschen ein ihnen von Natur verliehenes
Recht darauf, dass ihr Land für Bush, Merkel usw. offen steht. China fällt als
Unterstützer besonders störend auf. Das fällt auf die Junta als doppelte
Todsünde zurück: Den Westen auszusperren und sich auch noch China an den Hals
zu werfen, ein solches Regime verdient keinerlei Anerkennung, sondern seine
Beseitigung.
Das wird dann als ein einziger Dienst an den
Menschen da unten ausgegeben. Die dürsten angeblich danach, heim ins Reich der
Freiheit geholt zu werden. Mag ja sein,
dass nicht jeder Reisende in dem bislang als fernosttouristischer Geheimtyp
geltenden Land sofort entdeckt hat, dass immer und überall die Befreiung das
Anliegen dieser tapferen Leutchen ist, jetzt erfährt er es aus journalistischen
Reiseberichten. Laut
FAZ lassen sich Birmanen durch keinen noch so großen Zwang davon abhalten, „jedem
der wenigen zehntausend Touristen, die sich im Land verlieren, versteckte
Zeichen [zu geben].“ Oppositionelle fordern im Namen ihres Volkes einen
Regierungssturz, weil es die Militärherrschaft zur Armut gezwungen hat, ohne
dass ihre Untertanen etwas Vernünftiges dafür bekommen, Wirtschaftswachstum zum
Beispiel. Dass sie arm sind, unterscheidet Birmanen allerdings nicht von den
meisten Menschen in der schönen Welt des demokratischen Imperialismus – nicht
bloß in südlichen Breiten. Was ihre Armut
aber für prowestliche Journalisten kritikabel macht, ist deren „Rückständigkeit“.
Im
Gegensatz zu der mehr zeitgemäßen, „sachzwangbedingten“ Armut in der Heimat der
Freiheit soll Armut in Myanmar ein einziges Fanal und die Öffnung für den
Westen die Sozialleistung für seine Bürger sein. Armut finden Korrespondenten
dort unerträglich, dieselben Korrespondenten, die sich sonst gar nicht mehr
einkriegen, wenn sich jemand anderswo auf der Welt, z. B. Chávez in Venezuela,
daran macht, etwas zu ändern und wirklich gegen die Armut in seinem Land
vorzugehen – das sind dann „populistische Tricks“, die, weil sie gegen die
„Sachgesetze der Wirtschaft“ verstoßen, nur dem Machterhalt dienen sollen und
das Land in den Abgrund führen.
Dass
mit dem Eintreten für gute Herrschaft allerdings auch eine gewisse Härte
gegenüber Einzelschicksalen verbunden ist, ist weltbewanderten Korrespondenten
sonnenklar. Das merkt der Leser, wenn sich die Sache zuspitzt. Es ist
keinesfalls abgebrüht, sondern eher der Bedeutung der Angelegenheit angemessen,
wenn sein Blick auf ein Schlachtfeld gerichtet wird, auf dem sich abzeichnet,
dass da demnächst ein größeres Blutbad fällig ist. Die SZ hoffungsfroh: „Ein
Show-down zwischen der militärischen und der religiösen Macht auf den Straßen
Ranguns – das hätte noch vor kurzem niemand für möglich gehalten.“ Dass bei
dem High Noon in Rangun womöglich auch „Massen“ von Toten anfallen – das
Risiko schreckte das „liberale Weltblatt“ nicht. Es spekulierte darauf, dass
die laut ihrem eigenen Urteil „vor nichts zurückschreckenden“, Generäle,
konfrontiert mit den Massen auf den Straßen, einsehen müssten, dass ihnen „nichts
anderes übrig bleibt, als zu verhandeln“. Dass sie also ihre
Selbstentmachtung in die Wege zu leiten haben.
Angesichts dieser für alle gut imperialistisch mitdenkenden Menschen auf der Welt
erfreulichen Aussichten auf einen Regimewechsel in Myanmar war es umso
ernüchternder, als die Generäle den vorher hierzulande gefeierten angeblichen „Volksaufstand
in wenigen Tagen niedergeschlagen hatten“ und die SZ sichtlich enttäuscht
einräumen musste, dass „es ihnen sogar gelungen ist, dies auf eine
für ihre Verhältnisse geradezu sanfte Art zu tun“.