WM zahlt sich aus -
auch für den "kleinen" Mann?

Selbst unseren notorischen Antinationalisten in der Redaktionsstube des NM entdeckte man vor dem Fernseher. Die deutsche Mannschaft spielte gegen die Saudis und schoss ein Tor nach dem anderen. Und - man mag es kaum glauben - derjenige, der ansonsten immer nur böse Worte für die - wie er sagte - "Spielwiese des Nationalismus" übrig hatte, bejubelte ein Tor mehr als das andere.
Natürlich stellten wir unseren Genossen sofort zur Rede, weil wir einen plötzlichen Gesinnungswandel befürchteten. Die Erklärung war erstaunlich: Die Drogeriekette kd hatte versprochen, für jedes deutsche Tor einen Preisnachlass von 5 Prozent auf Adidas Produkte zu gewähren. Auf satte 40 Prozent addierte sich die Offerte.
Das habe es ja noch nie gegeben, meinte der wackere Kommunist in unseren Reihen. Normalerweise seien Begeisterung für die nationale Sache immer gepaart mit Verzicht. Nun ein hoffnungsfroher Beginn einer Wende?
Leider, gab unser Antinationalist zu Bedenken, sei das wohl ein übler Ausrutscher der geldgeilen Kapitalisten gewesen, um auf billige Art und Weise Kundenfang zu treiben. In der Regel zahle sich der Nationalismus eben nicht aus. Und darum verzichte er auch in Zukunft auf die emotionale Teilnahme an Projekten der moralischen Aufrüstung.

www.neusser-monat.de (18.6.2002)