Alltagsrassisten mögen keine Kurdenkultur

CDU verhindert Kurdenzentrum in Neuss

Die CDU-Mehrheitsfraktion hat in der letzten Stadtratssitzung am 29. Juni 2001 nun endgültig den Ausbau des Hauses der Kurdischen Künstler zum Kulturzentrum in Europa und Nationalarchiv endgültig verhindert. Und mehr noch: Mit der beschlossenen Änderung des Bebauungsplans Bataverstraße zum reinen Gewerbegebiet ist künftig jede kulturelle Nutzung ausgeschlossen. Damit versucht die CDU, die Pflege der kurdischen Kultur bis auf weiteres zu unterbinden. Die Kurdinnen und Kurden sind zu Recht entrüstet, blicken sie doch auf eine sieben Jahre währende gute Beziehung mit der Stadt Neuss zurück.

Kurdische Künstler in Neuss
1993 bauten sie an der Gladbacher Straße die „Kurdische Akademie Europas“, das Haus der kurdischen Künstler. Dort wurden bis vor kurzem Musiker- und Schauspieler/-innen ausgebildet, die teilweise europaweites Ansehen genießen. Als Anfang Februar in der NGZ das Bauprojekt vorgestellt wurde, ließ die CDU nicht lange auf sich warten: „Mit rassistischen Argumenten“ habe der ehemalige Fraktionsvorsitzende der CDU, Karlheinz Irnich, ein Horrorszenario entworfen und so „offen die Ausländerangst und damit die Ausländerfeindlichkeit geschürt“, erklärte der PDS-Stadtverordnete Roland Sperling. Die Aufregung in der CDU ist nur als politisches Kalkül zu verstehen. So hat selbst der Bürgermeister im Lokalradio gesagt: „Wir haben bereits seit sieben Jahren ein kurdisches Zentrum in Neuss – und keiner hat’s bemerkt“. „Keiner“ stimmt nicht: Neusserinnen und Neusser, deren Kulturhorizont nicht am „Wackelzugs“-Dienstag endet, waren oft gern gesehene Gäste im kurdischen Künstlerhaus, wenn Folkloregruppen spielten oder Theatergruppen probten.

Keine PKK-Zentrale
Sowohl der Düsseldorfer Polizeiliche Staatsschutz als auch das nordrhein-westfälische Innenministerium haben die Unterstellung, dass es sich bei dem Zentrum um eine „PKK-Kommandozentrale“ oder ähnliches handele, als haltlos zurückgewiesen. Selbst die kurdische Europaabgeordnete, Felecnas Uca (MdEP PDS), hatte sich mit der dringenden Bitte in die Debatte eingeschaltet, das Kulturzentrum auch als Integrationsprojekt zu fördern.

CDU betreibt Verhinderungsplanung
All das ficht eine selbstgefällige Neusser CDU nicht an, auch nicht, dass sie sich mit einer rechtswidrigen „Verhinderungsplanung“, so der Fraktionsvorsitzende der Neusser SPD, Rainer Breuer, möglicherweise schadensersatzpflichtig macht. Einen Antrag auf namentliche Abstimmung der Abgeordneten konterte die CDU „feige“ (Breuer) mit einem Antrag auf geheime Wahl. Darufhin hat die Opposition (Bündnis 90 / Die Grünen, SPD und Unabhängige / PDS) unter Protest den Ratssaal verlassen und die Abstimmung verweigert. Einmal mehr hat die CDU als Mehrheitsfraktion ihre Arroganz der Macht bewiesen. Die Ablehnung der CDU rührt eben aus deutscher Überheblichkeit gegenüber anderen Kulturen. Es ist die Partei, die zwangsweise Anpassung meint, wenn sie von „Integration“ spricht. Es ist die Partei, die erst kürzlich die Debatte um eine faschistoide „Deutsche Leitkultur“ entfacht hat. Und es ist die Partei, die einen Antrag der Fraktion Unabhängige / PDS abgelehnt hat, in dem die Stadt Neuss beauftragt wird, Neusser Firmen, die im Faschismus Zwangsarbeiter geschunden haben, aufzufordern, endlich in den „Stiftungsfond der Deutschen Wirtschaft“ einzuzahlen. Dabei bekommt Irinich die „Krätze“, es wird ihm „spei übel, wenn die SED-Nachfolgeapartei, die in der DDR so viel Elend verursacht hat, einen solchen Antrag stellt“, weil die „so genannten Befreier von Buchenwald, die dort eingesetzten Zwangsarbeiter erneut interniert“ hätten. Dabei zeigt sich, wes’ Geistes Kind solche Leute sind, die keine Kurden in Neuss haben wollen. Dabei bedient man sich auch gerne zwangsangepasster Türken, nach denen es in Neuss keine Kurden gebe. Wenn es Not tut, praktiziert die CDU eben auch den Schulterschluss mit türkischen Faschisten.

Neuss braucht das Kulturzentrum
Die SPD hat angekündigt, Beschwerde bei der kommunalen Aufsichtsbehörde (Landrat Patt) einzulegen, sollte der Bürgermeister Herbert Napp den Ratsbeschluss nicht von sich aus aufheben. Den kurdischen Künstlerinnen und Künstlern bleibt nun nur noch die Möglichkeit, auf dem Rechtsweg eine Baugenehmigung einzuklagen. Bleibt zu hoffen, dass das Verwaltungsgericht sich mehr an das Recht gebunden fühlt als die CDU.
Bitter ist nur, dass es in der Zeit, als noch politisch gegen die rassistisch motivierten Machenschaften der CDU agiert werden konnte, der Protest so verhalten war. Lautstrak hervorgetan haben sich aber die türkischen Faschisten der MHP. Für einen Großteil der Neusser Bevölkerung, also die Wählerschaft eben dieser CDU, ist das kurdische Zentrum nur ein weiters Ärgernis neben der türkischen Moschee in Norf und der in Aussicht gestellten Synagoge der jüdischen Gemeinde in Neuss.
„Sie und Ihre Stadt brauchen das Kuluturzentrum“, hat die Eurapgeordnete Uca erklärt. Damit meinte sie wohl diejenigen, die der kulturellen Vielfalt mehr abgewinnen können, als der „deuschen Leitkultur“. Manchmal schmeckt ein Tee mit kurdischen Freundinnen und Freunden eben besser als das Bier am Stammtisch deutscher Alltagsrassisten.

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