„Afrikanischer Sozialismus“

Nyerere suchte leider vergeblich nach einem dritten Weg für Tansania


Von Ende August bis zum 7. September fand im südafrikanischen Durban die 3. UN-Konferenz gegen Rassismus statt. Wie leider zu befürchten war, gab es seitens einiger arabischer Länder wütende antisemitische Ausfälle gegen Israel, sodass der Zweck der Veranstaltung, nämlich die Thematisierung der drastischen bis heute reichenden Folgen der über 400 Jahre währenden Sklaverei und des Kolonialismus in Afrika, Asien und Lateinamerika (sowie den USA), zu kippen drohte.

Über die Versuche des ostafrikanischen Staatsmannes Julius K. Nyerere, den Kolonialismus und sein bitteres Erbe in den Köpfen und vor allem in den Produktionsbedingungen seines Landes zu beseitigen, berichtet der im Horlemann-Verlag 2001 erschienene Band. Über drei Jahrzehnte wirkte dieser für Afrika und die so genannte Dritte Welt wichtige Politiker und Menschenfreund, der oft belächelt wurde. Und dies nicht nur wegen seines Versuchs, in der Zeit der Blockkonfrontation für sein Land – das ehemalige Tanganyika und Sansibar, das heutige Tansania – einen Weg dazwischen zu suchen. Der Nationenbildungsprozess, den wir in Europa selbstredend lange hinter uns haben, war - gemessen an den Weltmarktbedingungen - auch für Nyere eine historische Notwendigkeit. Es galt, aus den unzähligen Stammesgesellschaften eine lebensfähige Nation zu schaffen. Dafür führte er den Begriff des „afrikanischen Sozialismus“ ein, dessen Bedeutung allerdings mit der marxistischen Version nichts zu tun hat. Dass Nyere mit seiner Deutung und Praxis scheitern musste wie so viele afrikanische Länder und Politiker, ist nicht ihr persönlicher Fehler. Ankreiden kann man ihnen höchstens ihren fast kindlichen Glauben an die Möglichkeiten, etwas Neues – nie Dagewesenes – gegen die seinerzeit bestehenden Blöcke zu schaffen.
Trotz des Scheiterns seines Modells ist das Lesen seiner Schriften und Aufsätze höchst lehrreich und für das heutige Verständnis der Beziehungen zwischen der Ersten und der Dritten Welt nützlich. Man wird die Kraft und Ausdauer spüren, die Nyerere aufgebracht hat, um eine unabhängige Entwicklung einzuleiten. Ein wenig von dieser Kraft könnten auch wir heute gebrauchen, um zumindest Sand ins Getriebe der kapitalistischen Globalisierung zu streuen.

HPJ

Im Horlemann-Verlag sind noch etliche andere interessante Schriften und Länderanalysen wie die zu Kolumbien (siehe NM 3/01) erschienen, die wir unseren Leserinnen und Lesern anempfehlen können. Es gibt im Verlagsprogramm aber auch lesenswerte Romane und Autobiographien von Autoren/Autorinnen asiatischer und afrikanischer Herkunft. Kontaktaufnahme über das Internet: www.horlemann-verlag.de oder direkt per e-mail: info@horlemann-verlag.de bestellen.

www.neusser-monat.de