Brechts Dreigroschenoper
Ein sehens- wie hörenswertes Spektakel der Musikschule und der "Alten Post"


Da ich die vorjährige gemeinsam von Musikschule Neuss und der Schule für Kunst und Theater an der Alten Post produzierte Aufführung "Oliver" mit Begeisterung angesehen hatte, ging ich nun mit hohen Erwartungen in die diesjährige Aufführung. Dieses Mal gab es Bertolt Brechts Dreigroschenoper unter der Regie von Susanne Maninger auf der Bühne des Globe-Theaters.

Ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Mehrere Stunden spritziges, lustiges, aber auch gefühlvolles Programm voller Überraschungen und Einfälle. Sei es am Schluss des Stückes die "wundersame" Rettung Mackie Messers vor dem Galgen, sei es die witzige Idee der Requisite, den Mond durch eine an einer Angel herunterhängenden großen gelben Lampe darzustellen.
Schauspielerisches als auch musikalisches Talent bewiesen alle Beteiligten, wobei man das kleine Musikensemble im Hintergrund keinesfalls vergessen darf. Gerade die Begleitmusik unterstrich ausdrucksstark den vorzüglichen Gesang der Schauspieler/innen, ob nun herausragend Birgit Meyer als Polly Peachum bei den Songs der Seeräuber-Jenny ("Das Schiff mit acht Segeln...") oder ob im Duett der beiden eifersüchtigen Liebhaberinnen Polly und Lucy (dargestellt von Anna-Maria Suckow) oder ob gleich alle zusammen glänzten. Da war es dann auch nicht schlimm, wenn man mal Schwierigkeiten beim Verstehen hatte, weil die Begleitmusik die Stimmen übertönte.
Zusätzlich zu den bereits Genannten glänzten auch Marc Andrä und Britta Kollmann als Peachum und dessen Frau - ständig streitend und doch das gemeinsame Interesse, nämlich das Geldeinsacken nie aus den Augen lassend. Auch bei ihnen wie bei den anderen tragenden Rollen kam Brechts Absicht zum Vorschein, bei allen Beteiligten - egal welche Stellung sie in der Gesellschaft auch einnehmen - die dunklen Flecken auf der jeweiligen Weste sichtbar zu machen. Selbst "Tiger-Brown", oberster Polizeichef von London (dargestellt von Marc Tiedtke) konnte sich davon nicht freisprechen. Und dann war da natürlich noch die Hauptperson: der Gaunerkönig Mackie Messer , von Ingo Lämmerhirt dargestellt. Er überzeugte mehr durch das Stimmliche als durch die schauspielerische Darstellung des hartgesottenen Gauners und gleichzeitigen Schwarms aller Frauen. Ihm glaubte man zu wenig den Biss und die Härte, die es braucht, um eine Riege von Schwerverbrechern, die auch ihre eigenen Interessen verfolgen, zusammenzuhalten.
Immer wieder mit Extra-Applaus wurden die kleineren Rollen belohnt, wie z. B. die Bande von Mackie Messer - Gauner , mal dümmlich-tolpatschig agierend, dann aber auch wieder gerissen. Oder auch die Gruppe der Huren mit der herausragenden Uta Ziegler als Spelunken-Jenny. Lacher auf offener Szene garantierten die beiden Gehilfen des Polizeichefs, glänzend ausgestattet von der Requisite. Zeitweilig bestand die Gefahr bei den Beiden, durch ihr drolliges Gebaren - vor allem Jürgen Wagenbach glänzte durch akrobatische Leistung - den anderen ein wenig die Schau zu stehlen.
Minutenlanger Schlussapplaus war also für alle Mitwirkenden angesagt und vielleicht galt dieser auch dem Stück, das nicht nur der Unterhaltung , sondern auch der Anregung zum Nachdenken dienen konnte. Deshalb auch ein Dank für die Auswahl des Stückes an die dafür Verantwortlichen. Ich jedenfalls freue mich schon im Voraus auf die Vorstellung im nächsten Jahr.

Luise Hinterhalt

www.neusser-monat.de (29.12.2001)