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Karl Dimmig
als Geschichtsrevisionist
Auschwitz-Leugner rauchen nicht
Der Beschwerdeausschuss
der Stadt Neuss hat am 25. September 2001 über einen aufschlussreichen
Antrag beraten. Es ging um "die Untätigkeit des Bürgermeisters
Napp". Dieser sollte die "Entfernung einer Hetzschrift" aus
der Neusser Stadtbibliothek veranlassen.
Bei der so genannten "Hetzschrift" handelt es sich um den Bildtextband
"Am Rande des Abgrunds" der deutschen Jüdin Ella Liebermann-Shiber.
Sie hat das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und die Todesmärsche
überlebt. Ihr Vater und ihre Geschwister wurden von den Nazis ermordet.
Nach der Befreiung hat Liebermann-Shiber ihre Erlebnisse in Zeichnungen dokumentiert.
Diese finden sich kommentiert in dem erst 1997 in der BRD erschienenen Buch.
Bestechende Logik
Der Rechtsextremist Karl Dimmig will nun, dass es aus der Stadtbibliothek
entfernt wird. Dimmig behauptet, dass dort "längst widerlegte Lügen
enthalten sind, wie die Wiesenthal'sche RIF-Seife, jüdische Knochenasche
als Dünger für Bauern, u.a.".
Schaut man sich das Buch an, wird schnell klar, an welcher Zeichnung sich
Dimmig besonders stößt: Zu sehen ist vor einem Feld ein Fleischwolf
"MADE IN GERMANY", durch den menschliche Knochen gedreht werden.
Die zerstäubten Reste fallen in einem Behälter mit der Aufschrift:
"Asche für die Felder", daneben ein Behördenstempel der
Nazis. Vor der Kiste liegt Gemüse als "DEUTSCHES ERZEUGNIS"
bezeichnet und ein Stück Seife mit dem Aufdruck "RiF", was
für "Reichsstelle für industrielle Fette" steht.
Es geht um die Verwertbarkeit von Leichen. Abgesehen davon, dass es schwer
fällt, sich vorzustellen, wie mit Zeichnungen gelogen werden soll, geht
aus dem Bild nun nicht hervor, dass die Asche "für Bauern"
gewesen sei. Das behauptet lediglich Dimmig. Tatsächlich aber wurde Asche
aus den Krematorien in den verschiedenen Landwirtschaftsbetrieben der SS als
Dünger verwendet. Hier kommt ein typisches Symptom der Auschwitz-Leugner
zum Ausdruck: Sie erfinden ihre angeblichen Lügen selbst, widerlegen
sie dann, um so den Holocaust leugnen zu können. Eine bestechende Logik.
Ähnlich verhält es sich mit der "RIF-Seife": Während
der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse wurde bezeugt, dass aus Leichen
von KZ-Häftlingen Seife hergestellt worden sei. Dass es sich bei den
Leichen um Juden gehandelt haben soll, ist wiederum eine Behauptung der Auschwitz-Leugner.
Zweierlei
Rauch
In dieser Gesellschaft befindet sich der bekennende Rechtsextremist Karl Dimmig.
Seine Pseudoargumente liest man fast wörtlich in den Hetzschriften des
notorischen Holocaust-Leugner Ernst Zündel, der heute in Kanada lebt.
Nach der Anti-Raucher-Kampagne betreibt Dimmig nun Geschichtsrevisionismus.
Vielleicht kompensiert er durch neurotisches Nichtrauchen den Anblick rauchender
Schlote in Birkenau.
Max Weber
www.neusser-monat.de (29.12.2001)