Beeindruckender Soloauftritt
Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie" im Theaterkeller

Am 21. September kam im Theaterkeller Neuss an der Olympiastraße/Ecke Preußenstraße (www.theaterkeller-neuss.de) Franz Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie" zur Aufführung.

Die ganz nach dem Guckkastenprinzip gehaltene Bühne des kleinen Theaters gibt der Darstellung des Monologtextes einen kongenialen Rahmen: Der aus Afrika stammende, dort angeschossene Affe, der per Schiff nach Hamburg verbracht wurde, um dort dressiert und als Varietè-Nummer sein Leben beim Circus Hagenbeck zu fristen, lässt die Zuschauer teilhaben an der "Geschichte seiner Erziehung" vom Affen zum Menschen, der "Menschwerdung" eines Tieres.
Kafkas Text, nicht unbedingt für das Theater geschrieben, lässt den Affen über seinen Domestizierungsprozess eindringlich berichten und reflektieren. Dass dies besonders eindrucksvoll auf die - leider zu wenigen - Zuschauer wirken kann, liegt an der famosen schauspielerischen und sprachlichen Leistung von Marcus Diedrich aus Köln. Regie führte Bernward Faustmann. Die Textvorlage wird Wort für Wort in Szene gesetzt, dabei bleibt die Stimmlage stets monoton. Trotzdem spürt man im Zuschauerraum - auch bedingt durch die räumliche Nähe - die erlebte Pein, Erniedrigung und vergeblichen Ausbruchsversuche des gedemütigten Tieres, welches sich schließlich in die vorgesehene Rolle eines Menschenergötzers nicht nur fügt, sondern - dies das Ziel bürgerlicher Erziehung - für sich akzeptiert.
Ein Lob für die Maske (Ulrike Buick) und die gelungene Bühnenausstattung (Alfred Behrendt), die die bedrückende Qual des Tieres durch die Spärlichkeit des Raumes noch steigert.
Ein lohnenswerter Theaterbesuch.

HPJ

www.neusser-monat.de (29.12.2001)