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Premiere
von Jaan Tättes "BUNGEE JUMPING" im Studio des RLT
Vorsicht, wenn der Pizzamann kommt
Am 9. November ging im Studio des RLT die Premiere von Jaan Tättes "Bungee Jumping" über die Bühne. Der estnische Autor, der für dieses Erstlingswerk 1997 den heimischen Dramenpreis erhielt, hat ein typisches Erfolgsstück geschrieben. Es hat als Personal: ein junges Pärchen, einen etwas seltsamen Einsiedlertypen, der mit einigen Überraschungen aufwartet, sowie einen in der Schlussphase, quasi als Überraschungsgast die Bühne enternden schmierigen Mafioso.
Es geht um das die Welt beherrschende Themenpaar Geld & Liebe. Das haut immer hin. Also kommt es auf die Inszenierung und die Schauspieler an und ob es ihnen gelingt, das Publikum in ihren Bann zu ziehen.
Ein unmoralisches Angebot
Doch zurück zur Geschichte: Ein junges Pärchen, Timo Doleys und
in einer Gastrolle Sara Ghersi - sehr talentiert - strandet nach einer Autopanne
durchnässt in einem Wald an einer Hütte, die von einem Einsiedler,
souverän von Steffen Schreyer gegeben, behaust und beherrscht wird.
Mit Hilfe einiger verblüffender Tricks und Phantasiegeschichten gelingt
es dem seltsamen Kauz, das Mädchen zu verwirren, um dann mit dem Vorschlag
herauszurücken, mit einem ordentlichen Batzen Geld - in Rede stehen unvorstellbare
1 Mrd. Dollar von insgesamt vier - das Mädchen dem Freund abkaufen zu
wollen. Ein unmoralisches Angebot fürwahr. Doch Lauras Abwehr schwindet
sehr schnell, nachdem sie einen Blick auf die in einem Kabuff deponierten
Geldkartons geworfen hat. Woher der Bursche dieses Geld hat, zählt nicht.
Die abenteuerliche Geschichte, ein Fisch habe es gebracht, kann ihm keiner
glauben. Doch da, wo der unmittelbare Reiz des Mammons jede ernsthafte Frage
nach der Herkunft desselben erschlägt, zählt auch die Liebe nicht
mehr. Der ausgebootete Liebhaber sperrt sich zwar noch gegen den Deal, aber
ihm bleibt die Aussicht auf viel Kohle.
Auftritt: Andreas Furcht
Timo Doleys in der Rolle des jungen Mannes wirkt phasenweise von seinen beiden
Mitstreitern an die Wand gedrückt, die mit einer stärkeren Präsenz
und vielfältigeren schauspielerischen Mitteln aufwarten können.
Vor allem Steffen Schreyer füllt seine Rolle vorzüglich aus.
Die Auflösung naht mit dem Auftritt von Andreas Furcht in der Rolle des
Gangsters, der von den Dreien irrtümlich als bestellter Pizzamann in
die Hütte gelassen wird. Mit dessen fabelhaft gespieltem Auftritt platzt
der Traum der Drei - weder gelangt das Geld zur Verteilung, noch kommt der
auf Laura scharfe Kauz zu seiner Traumfrau. Statt dessen müssen sie wieder
zu ihrer Normalität und ins miese Leben zurückkehren. Geht so Bungee-Springen?
Leise Zweifel.
Ein Lob auch für die gelungene Bühneausstattung mit ihrer windschiefen
Optik von Bettina Conrath-Toussaint. Olga Wildgruber zeichnet für die
Regie verantwortlich.
Es gibt noch eine Vorstellung am 27. Januar 2002. Ein weiterer unterhaltsamer
Theaterabend lockt.
HPJ
www.neusser-monat.de (29.12.2001)