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NGZ-Stoffels
und andere kämpfen mit
Einheitsfront gegen Taliban
Nachdem US-Präsident
G.W. Bush jun. medienwirksam zum endgültigen Kampf gegen den weltweiten
Terrorismus aufgerufen hatte, es seit diesem Tag nur noch für oder gegen
Amerika gibt, wollten auch die bundesrepublikanischen Ermittler samt ihrer
Pressemeute nicht abseits stehen. Aber nicht nur die professionellen Ermittler
sind gefragt, sondern auch der gemeine Bürger ist aufgerufen, seinen
Teil beizutragen und das heißt in den heutigen Zeiten z. B. die als
"extrem unauffällig" gekennzeichneten so genannten Schläfer
aufzuspüren. Verdächtig ist, wer unverdächtig scheint. So wurden
z. B. im CDU-regierten Rheinland-Pfalz drei Männer arabischer Herkunft
beobachtet, die an einer Straßenecke standen und heftig gestikulierten.
Sollten sie nicht tun, denn so der dortige Vizechef des LKA, Weber: "So
etwas klären wir dann ab."
Da will natürlich auch der Kreis Neuss nicht zurückstehen: Anfang
Oktober schreckte eine Nachricht das verschlafene Dormagen auf. Unter der
Überschrift: " Führt eine Terrorspur nach Dormagen?" wusste
der NGZ-Lokalreporter Chris Stoffels am 9.10. zu berichten, dass ein Marokkaner
sich verdächtig gemacht haben soll. Eine Festnahme auf dem Bayer-Gelände
soll es gegeben haben. Die Staatsschutzstellen in Köln und Düsseldorf
wiegeln ab, auch der Sprecher der Kreispolizeibehörde weiß von
nichts. Doch Chris Stoffels bohrt weiter nach: Es muss doch was dran sein
an der Sache, entspricht doch der verdächtige Marokkaner genau dem Feindbild:
Werkstudent bei Bayer, soll (!) Partei ergriffen haben für die Terroristen
und sogar Verständnis für sie geäußert haben. Leider
habe man keinen Lageplan des Dormagener Bayerwerkes bei ihm gefunden, bis
jetzt noch nicht....
Handfester waren da schon die Vorwürfe gegen Sevli Yilmaz. Der Horremer
Moslem sollte ein Freund der Taliban sein. Nach der türkischen Zeitung
"Hürriyet" vom 2. Oktober soll Sevli Yilmaz einen "Kampfaufruf"
im Internet platziert haben, der zur Solidarität mit den Taliban aufrufe.
Yilmaz ist kein Unbekannter, sondern Ex-Abgeordneter der in der Türkei
verbotenen Refah-Partei. "Hürriyet" garnierte ihren Bericht
mit einem Foto, das Yilmaz mit der Waffe in der Hand zeigen sollte. Yilmaz
Dementi half ihm erst einmal nichts, da die Reflexe im Rathaus und in den
Dormagner Pressestuben alles andere überlagerten. Man möchte ja
ein guter Kämpfer gegen den Terrorismus sein. Auch der Dormagener Ausländerbeirat
distanzierte sich eilfertig, ohne Yilmaz Gehör zu schenken, der stets
darauf verwies, dass es sich bei dem Bericht und dem Foto um eine Fälschung
handele.
Bürgermeister Reinhard Hauschild bedauerte, nichts gegen Yilmaz unternehmen
zu können: Er, Yilmaz, genieße Gastrecht. Das ließ Kommentator
Christ Stoffels nicht ruhen. Dies, so seine Stellungnahme, sei "ein fragwürdiger
Rahmen in Zeiten und unter den Zeichen eines nie da gewesenen Terrors"
(NGZ 5.10.). Das Gastrecht missbraucht! Punktum. So sein Fazit. Tage später
musste er zurückrudern, da nun feststand, dass "Hürriyet"
wild gefälscht hatte.
HPJ
www.neusser-monat.de (29.12.2001)