Buchtip

Das B der Militärs

Man kann mittels eines mechanisch wirkenden Explosionsgeschosses die Eingeweide des Feindes malträtieren. Doch solch blutiges Handwerk - einst für die Indianer Amerikas noch eine Überraschung - erscheint im Zeitalter der Gentechnologie als niedere Entwicklungsstufe. Eine höhere Form des Tötens verspricht das genetische Frisieren biologischer Micro-Organismen.

Ausnahmslos jedes Fuhrwerken mit biologischen Waffen barg unabsehbare Risiken für Gesundheit und Leben. Das Damoklesschwert, nicht nur die Zielgruppe, sondern schon zu Friedenszeiten sich und die eigene Bevölkerung zu verseuchen, machte die Micro-Killer bei den Militärs nicht sonderlich beliebt. Der Mangel an Sympathie führte 1972 zur Unterzeichnung eines Abkommens, das die Entwicklung biologischer Kampfsysteme verbot.
Doch die Zeiten ändern sich. Als Anfang der achtziger Jahre die Gentechnologie ihren Einzug hielt, schlug die zuerst vorherrschende Abneigung in geschäftiges Interesse um. Moralische Bedenken, 1972 noch Tenor des Vertrages, wurden auf dem Wege von Nutz- und Leistungsbedacht mit Leichtigkeit dem Realismus zum Opfer dargebracht, denn "als die Kanone den Panzerreiter niederwarf, fand sie ebenso moralische Mißbilligung wie die Gase im Weltkrieg. Immer aber siegt die technisch höhere Form", so schon 1923 der Wegebereiter des Gaskrieges, Professor Fritz Haber.

Die höhere Form der B-Waffen ist, im Gegensatz zu ihren Vorfahren, besser auf des Schöpfers Verwendungszweck zugeschnitten. Entwicklung, Lagerung und nicht zuletzt der von besonderem Erfolg gekrönte Einsatz ist somit, nach Ansicht der Militärs, ein überschaubares Wagnis geworden: die akzeptable Gelegenheit einen nie erklärten Krieg zu führen, unliebsame Regierungen zu destabilisieren oder - wie in der Vergangenheit schon des öfteren geschehen - eine ergänzende Therapie konventioneller Waffen.
Das Risiko, daß ein Krieg der Keime, Bakterien und Viren als solcher entdeckt, geschweige denn nachweislich wird strebt dabei gegen null, dito das einer internationalen Verurteilung.

Forschungen - mit freundlicher Unterstützung aus dem amerikanischen Steuersäckel - haben im Laufe der Jahre Werkzeuge zur Lebensbekämpfung entstehen lassen, die bezüglich ihrer Grausam- und Verabscheuungswürdigkeit den Errungenschaften von A-Waffen in keiner Weise nachstehen.
Die unglaublichen Gefahren und Implikationen genetisch veränderter Bio-Killer sollten endlich aus dem Schatten in das Licht des öffentlichen Interesses rücken, damit eine Waffengattung bekannt wird, welche über die Diskussion von Auf-, Wett-, Nach- und endlich Abrüstung atomarer Waffen in Vergessenheit geraten ist.
Die US-Amerikaner Charles Piller und Keith Yamamoto stellen die, Geschichte der B-Waffen und deren Wirkungsweise vor: Der Krieg der Gene

Johannes

Der Krieg der Gene: das Militär und die Gentechnik
Charles Piller ; Keith Yamamoto
Hamburg: Rasch u. Röhring, 1989
ISBN 3-89136-275-7