Ein Schwerpunkt der Ökofonds-Arbeit der letzten Jahre war es, die Anwendung
regenerativer Energien zu unterstützen. Der Verein Windenergie Nordeifel
(WNV) ist ein gutes Beispiel für die Kombination von politischer mit praktischer
Ökologiearbeit. Durch vielfältige Öffentlichkeitsarbeit gibt
der Verein seine Erfahrungen weiter. Hauptaktivität des WNV ist der Aufbau
eines Gemeinschafts-Windkraftwerkes. Die Anlage soll Strom für das Netz
produzieren und auf das große brachliegende Windkraft-Potential der Nordeifel
aufmerksam machen. Der Standort Herhahn liegt 530 m über dem Meeresspiegel
auf freiem Gelände. Windmessungen des WNV haben eine mittlere Windgeschwindigkeit
von 5,2 m/s in 10 m Höhe über Grund ergeben, das reicht für eine
Windenergienutzung allemal.
Im täglichen Leben sammeln die Vereinsmitglieder praktische Erfahrung im
Ernergiesparen und im Umgang mit regenerativen Energiequellen. Sie stellten
dabei fest,
- daß ein 5-Personen Haushalt bei ganz normalen Komfort seinen Stromverbrauch
durch Nutzung moderner Technologien von 5000 kWh auf 2000 kWh reduzieren kann
- daß eine 200 Watt Photovoltaik-Anlage ausreicht, um für einen 3-Personen-Haushalt
die Stromversorgung sicherstellen
- daß eine einfache Solaranlage ausreicht, um außerhalb der Heizzeit
die Warmwasserversorgung sicherzustellen
- daß der Heizenergieverbrauch allein durch gute Wärmedämmung
und moderne Heiztechnik auf einen Bruchteil heutiger Durchschnittsverbräuche
reduziert werden kann.
Modellfunktion kommt der Finanzierung des Projekts zu. Die gesamte Investitionssumme
wird je zur Hälfte durch einen Zuschuß von Land und Bund und durch
private Anteile vom WNV aufgebracht. Bisher haben rund 140 AnlegerInnen fast
150.000 DM aufgebracht, der Ökofonds hat ein zinsloses Darlehen von 50.000
DM dazugetan. Der WNV hat errechnet, daß für jede investierte Mark
jährlich eine Kilowattstunde umweltfreundlicher Windstrom ins Netz eingespeist
wird. Ein Durchschnittshaushalt kann somit seine umweltfreundliche Stromversorgung
sicherstellen, indem er sich mit ca. 3000 DM beteiligt. Die Investitionen werden
durch den Stromverkauf an die Kreisenergieversorgung Schleiden refinanziert.
Seit der gesetzlichen Erhöhung der Netzeinspeisepreise auf 90% des Endverbraucherpreises
lohnt sich Windenergie auch finanziell.
Die geplante Anlage wird ca. 300.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen. Wegen erheblicher
Widerstände in einigen Behörden mußte der Baubeginn immer wieder
verschoben und zuletzt noch ein neuer Standort gesucht werden. Nicht nur der
Ökofonds fördert solche Projekte - die GLS-Bank in Bochum hat mit
Erfolg einen Windkraftfonds für verantwortungsbewußte Geldanleger
aufgelegt.
Arnd Grewer
Ökofonds der Grünen NRW