Fischotter vom Aussterben bedroht

Der Wasserakrobat

Der Fischotter mit dem lateinischen Namen Lutra lutra ist ein Mitglied der Marderfamilie. Das schlanke, höchstens bis zu zwölf Kilogramm schwere Tier kann bis zu fünf Minuten tauchen und dabei Strecken von annähernd 300 m zurücklegen. Der Otter ernährt sich gern von Fischen, Muscheln und Krebsen. Aber auch an Land jagt er ab und zu - allerdings nur, wenn genügend Versteckmöglichkeiten vorhanden sind. Hier gehören Mäuse zu seinem Speiseplan. In kalten Jahreszeiten holt er sich Frösche, die im Schlamm überwintern. Notfalls nimmt er auch mit Schnecken und Wasserinsekten vorlieb. Er ist also durchaus nicht wählerisch, was seine Nahrung betrifft.
Hohe Ansprüche stellt der Fischotter allerdings an seinen Lebensraum: Er verlangt klare saubere Bäche mit Steilufern, wo er seinen Bau gräbt, aber auch flache Uferpartien für die Jagd an Land.

Dem Otter gehts an den Kragen

Noch bis zum 1. Weltkrieg mußten jährlich 10.000 Fischotter und mehr nicht nur für die Damenmode ihr Fell lassen. Schon Karl der Große trug einen bodenlangen Otterpelz als Zeichen seiner Macht.
Angler und Fischteichbesitzer beteiligten sich an der massenhaften Ausrottung dieses schönen Tieres, da sie den flinken Fischjäger als Konkurrenten betrachteten.
Bis 1968 durfte der Fischotter noch bejagt werden, seitdem steht er unter Schutz. Eigentlich viel zu spät: die Eingriffe des Menschen haben viele seiner Lebensräume weitgehend zerstört. Doch auf nichts ist der Schwimmakrobat so sehr angewiesen, wie auf saubere und fischreiche Gewässer mit einer vielfältigen Ufervegetation - ein Lebensraum, in dem er genügend Nahrung und Schutz findet.

Der Traum von einer lebenswerten Umwelt

Nach letzten Zählungen schätzt man vorsichtig noch etwa 700 wildlebende Fischotter in Deutschland. 500 davon sind in den neuen Bundesländern beheimatet, lediglich 200 Tiere kommen noch in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Ostbayern vor.
Doch nur in unbelasteten Lebensräumen findet der geschrumpfte Otterbestand noch Heimstätten. Vor 150 Jahren war der Fischotter in ganz Deutschland präsent. Heute gehört er zu den akut vom Aussterben bedrohten Tierarten.
Der Mensch allein ist Schuld an dieser Entwicklung. Ihm obliegt es, den Traum von einer lebenswerten Umwelt - auch für den Fischotter - wieder Wahrheit werden zu lassen.

Noch hat der Fischotter eine Chance - Nutzen wir sie!

Der BUND handelt! Um sowohl den natürlichen als auch den von Naturschützern überwachten Lebensraum für den Fischotter wieder bewohnbar zu machen, müssen vordringlich...
- Tausende Kilometer verödeter Bachläufe gereinigt und sorgfältig saniert werden;
- Fluß- und Bachlandschaften renaturiert werden;
- der natürliche Aufbau der Uferbegrünung z.B. durch Anpflanzungen typischer Bachgehölze - wie etwa die Erle - wieder hergestellt werden.

Der BUND versucht, durch eine große Zahl von Bachpatenschaften die Lebensräume der Otter vor einer zunehmenden Beeinträchtigung durch landwirtschaftliche und industrielle Nutzung zu bewahren. Beispielsweise hat der BUND durch Erhaltung des Feuchtwiesenringes um Bremen erreicht, daß der Otterbestand in dieser Region erhalten werden konnte. Ca. 1700 ha diser einmaligen Landschaft sind hier unter Schutz gestellt worden.
Ferner setzt sich der BUND für eine vorsorgende Chemiepolitik ein, damit das Umweltgift PCB zukünftig vermieden werden kann.
Möglichkeiten gibt es genung, um den Fischottern zu helfen. Der BUND weiß aber auch, daß er nicht allein die Probleme bewältigen kann. Mit der Hilfe zahlreicher Mitglieder und Freunde ist es dem
BUND gelungen, so manche notwendige Naturschutzmaßnahme zu realisieren. Jetzt tritt der BUND an die Leser dieses Artikels mit der Bitte heran, den Schutz des Fischotters zu unterstützen.

Wir Menschen sind ein Teil der Natur! Sorgen Sie mit einer Spende dafür, daß der BUND die Vielfalt in unserer Natur bewahren und wieder erweitern kann.

Spendenkonto:
Postgiroamt Köln, BLZ 370 100 50, Konto-Nr.: 400 700-501

(Dieser Artikel ist auszugsweise dem BUNDruf 1/91 entnommen.)