Neulich versuchte ein Wähler, seine Abgordneten im Berliner Reichstag
zu besuchen. Er fuhr sein benzingetränktes Auto bis an eine der Glastüren
der hinteren Front, weiter kam er nicht.
Den CDU-Bundestagsabgeordneten Hermann Gröhe aus Neuss erregte das Ereignis
derart, dass er auf ein Schreibpapier machte. In Neuss nähern sich nämlich
Wähler der 0brigkeit nur im Beichtstuhl. Unter der Überschrift "Gruß
aus Berlin" steht das Resultat des Gröheschen Anfalls zusammen mit
seinem Konterfei und der Balkenschrift "Polizei" im "Lokalanzeiger"
vom 26. 9.: "Dieser Vorfall hat mir erneut vor Augen geführt, wie
dankbar man all jenen sein muß, die im Bundestag für die Sicherheit
sorgen." Ein wahres Wort. Der OibE, schon längere Zeit als Gröhe
für Sicherheitsbelange in Berlin zuständig, kann das bestätigen.
Wäre es der Hauptabteilung XII/2 des Ministeriums für Staatssicherheit,
zuständig für befreundete Länder, nicht rechtzeitig gelungen,
einige Top-IM und Jugendfreunde aus der früheren FDJ-Grundorganisation
mit dem Kampfauftrag "Schutz dem Bundestag" unter die von Gröhe
erwähnten 120 Beamten zu schleusen, hätten die Flaschen von GSG 9
und die Deppen vom BND wieder das Sagen. Das Ergebnis kann sich jeder ausmalen,
der in München 1972 dabei war. Die Kollegen von der Stasi haben jahrzehntelange
Erfahrung damit, keinen unbefugt herein- oder herauszulassen. Gröhe würde
schon längst in Blut, nicht nur seinem eigenen, in der Spree schwimmen,
wenn nicht die Tschekisten von der unsichtbaren Hand die Front für ihn
hielten. Denn Berlin - das sind nicht nur Wahnsinnige in rollenden Benzinbomben,
das heißt, Helmut Kohl jeden Morgen in den Daimler stopfen und wieder
entkorken, das heißt Joseph Fischer daran zu hindern mit "Die Serben
kommen, die Serben kommen!" vom Außenministerium zu springen und
dafür zu sorgen, dass der Import von Lustknaben, wie der selige Militärbischof
Dyba wußte, für Westerwelle u.a. nicht zum Erliegen kommt. Gröhe
weiß von all dem nichts, wenn er für verfolgte Christen in aller
Welt den Bundestag aufrüttelt. Niemand sieht ihn scheel an, weil er dem
deutschen Dunghaufen des Biokomposteurs Haack seinen Beitrag verweigert. Dafür
sorgen schnell und diskret die unsichtbaren Helfer.
Was er aber andeutet, bewegt Neuss und den Niederrhein: Was wird aus uns? Wohin
führt es, wenn die Bundesbehörden dem allem ausgeliefert sind? Erste
Versuche, ein Schutzbündnis zu schmieden, werden registriert. Im Oktober,
meldet die NGZ am 18.9., werden sich die Neusser Heimatfreunde über alles
Trennende hinweg mit den Düsseldorfer Jonges "im Schatten von St.
Quirin" treffen und auf Vorschlag ihres Chefs Dr. Heinz Günther Hüsch
Antworten auf die Frage nach der "rheinischen Identität" suchen,
"nachdem die Bundesorgane von Bonn nach Berlin umgesiedelt sind."
Heimatlos gewordenen und abgehalfterten Politfolkloristen wie Hüsch gilt
der Zuruf des Dichters Wiglaf Droste: "Identität / Identität
/ Wenn euch keiner mehr steht / steht euch Identität."
Ganz so weit ist es mit den Jungführern der Neusser CDU noch nicht. Sie
wissen: Vom Osten lernen, heißt siegen lernen. Menschen wie der Chef des
Jugendrings Detlef Fleischer oder Landrat Dieter Patt, die sich stets in der
Nähe einer Reporterkamera aufhalten, wetteifern längst mit Erich Honecker
um die größte Zahl von Fotos pro Quadratzentimeter Bedrucktem. Der
Saarländer, den es wie Gröhe in den Osten verschlagen hatte, brachte
es auf maximal 35 Fotos in einer Ausgabe des "Neuen Deutschland".
Fleischer und Patt basteln schon eine Weile an ihren Karrieren, aber wehe, die
NGZ erscheint ohne ein Porträtfoto von ihnen. Fleischer bemüht sich
als Berufsjugendlicher in fortgeschrittenem Alter, nicht erster zu sein. Nur
zaghaft deutet er hier und da an, dass er sich für höhere Aufgaben
berufen fühlt. Im Landtagswahlkampf brachte er die Losung seines Spitzenkandidaten
Rüttgers "Kinder statt Inder" auf den Punkt: "Die Landespolitik
ist viel zu wichtig, dass man sie als Altersruhesitz für verdiente Kommunalpolitiker
missverstehen sollte. Wir brauchen...neue, junge und ehrgeizige Politiker, die
Visionen haben....Menschen, die unverbraucht sind und in ihrem Leben noch etwas
bewegen möchten." So schlägt man sich selbst vor: Als Versorgungsstelle
für verdienstlose katholische Fähnleinführer kann die Landespolitik
nie mißverstanden
werden.
Einer, der sich kaum noch bewegen muß, ist Landrat Patt. Anders als Fleischer
steht Patt in den Zeitungen nur herum. Was für Honecker die Leipziger Messe
war, das sind für Patt Schützen-, Hanse-, Hafen- und alle anderen
Feste in Neuss und Umgebung. Wo Fleischer durch Umtriebigkeit glänzt und
notfalls den Verein, mit dem er in die Zeitung kommen will, selbst gründet
(Quirinus-Preis!), ist Patt durch Leutseligkeit und seine Neigung zur Kunst,
Merkmal: dicke Ringe, berüchtigt. Wenn nicht irgendwo ein Wandbild vorzustellen,
ein Batiktuch an eine Strickinitiative oder ein Designer-Urinal an eine Schützenbruderschaft
zu übergeben ist, knallt im Landratsamt die Peitsche. Patt ist schließlich
Gott gesandt und nimmt deswegen schnell übel, wenn er sich nicht abgebildet
sieht.
Es sind Restbestände von Treu und Glauben, von Zucht und Ordnung, die in
Neuss von der CDU gewahrt werden. Was in Berlin dem Gröhe die Stasi, das
ist dem Niederrheiner seine Lieblingspartei: Sicherheit als das Leben selbst.
Arnold Schölzel, VOibE