Verleihung des Theater-Förderpreises

Hochtalentierte
Juschka Spitzer

Alljährlich verleihen die Freunde und Förderer des Rheinischen Landestheaters ihren Förderpreis an einen jungen Mimen oder an eine ebensolche Mimin. Wir dokumentieren die Laudatio, die Karlhans Pfleiderer bei der diesjährigen Preisverleihung gehalten hat:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
nach dieser Programmvorschau kann man nur feststellen: Es ist eine Lust, dieses Theater, dieses Ensemble zu fördern (Beitrittserklärungen liegen am Stand des Fördervereins).
Und es ist überhaupt kein Unglück, dass wir die Preisverleihung, die Verleihung des Förderpreises der Freunde und Förderer des Rheinischen Landestheaters an einen jungen Schauspieler oder eine junge Schauspielerin im Jahr 2000 noch in diesem uns liebgewordenen Theaterhaus des Architekten Lilienthal mit dem Charme der 50er Jahre, seiner vertrauten Enge und Premierefeiern im dicht gedrängten Foyer hier und heute im alten Gemäuer vornehmen können. Da weht ein Hauch von bye bye Drusus durch den Raum - auf die stillere Art - (Römer, Klaviere und Autos lassen wir außen vor).
Die Künstler, Schauspieler, Dramaturgen, Regisseure, Bühnenbildner, Gewandmeister und viele andere Mitstreiter des Rheinischen Landestheaters haben hier auf den Brettern dieser Bühne an der Drususallee gearbeitet, sie haben hier ihre Erfolge errungen, sie sind von hier in die große und kleine Welt aufgebrochen oder sind diesem Theater treu geblieben. Der Förderverein hat sie seit 1990 durch seine Preise und Aktivitäten dabei beflügeln können.
1990 bis 2000: 10 Jahre Förderpreis, da sind wir stolz darauf, das verdient Beifall.
10 Jahre Förderpreis: 1990 Klaus von Mirbach, 1991 Eva Rittel, 1992 Franco Melis, 1993 Lutz Hübner, 1994 Monika Rogge, 1995 Maria Frenzel, 1996 Sascha Ixs, 1997 Andreas Furcht, 1998 Katrin Steinweg und Wolfgang Schmitz, 1999 Angelika Kreutzberger
Von rauschendem Erfolg des Ensembles des Jahres 2000 konnten Sie gerade wieder einmal in der NGZ lesen - im Bericht über das Schützenbiwak auf dem ehemaligen Horten-Parkdeck, das der Förderverein zusammen mit dem RLT und der City Parkhaus GmbH zum zweiten Mal ausgerichtet hat.
Ihnen allen von dieser Stelle auch hierzu die Gratulation und der Dank des Fördervereins - es war großartig und erfrischend, Sie im Zentrum dieser unendlich vielen Ordens- und Würdenträger agieren zu sehen. Sie haben sich doch da auch so einen Orden verdient oder? Genauso wie der Geschäftsführer des Fördervereins, der alles organisiert hat. Jetzt jedenfalls ist es nach dieser Präsentation überhaupt nicht mehr auszuschließen, dass in der neuen Theatersaison und dann demnächst im neuen Theater viele Schützen Lust am Theater haben werden und dieses Ensemble sehen wollen!!
So und wer bekommt jetzt den Förderpreis?
Sie wissen, die Entscheidung ist bei den vielen hochtalentierten jungen Schauspielern, die Burkhard Mauer und Sewan Latchinian an dieses Theater bringen, eine sehr schwierige Aufgabe - und wie viele Entscheidungen und wie jede Entscheidung, mit gewissen Ungerechtigkeiten verbunden. Doch die Würfel sind gefallen:
Sie kann Klassik, sie kann Zeitgenössisches, sie kann Operette und sie kann Kinderstücke.
"Da macht sie Kunst!" "Tass ist nicht zu verwechseln mit ten Nieterunken tes Lepens."
Der Förderpreis des Jahres 2000 geht an: Juschka Spitzer.

Meine Damen und Herren,
Juschka Spitzer stammt aus Brandenburg, sie ist in der Rosen- und Bergbaustadt Sangershausen vor 27 Jahren geboren: Schulzeit in Halle und Dresden, Ausbildung zur Kostümschneiderin, Kostümassistenz an der Staatsoper Berlin, Regieassistenz in der Stadt Brandenburg und in Potsdam, erste Regiearbeit am Brandenburger Theater, 1998 Schauspielerdiplom und bereits Gastrollen an verschiedenen Bühnen. Und dann im Sommer 1999 hat Sewan Latchinian, der Oberspielleiter des RLT, sie für das Rheinische Landestheater vom Fleck weg engagiert.
Ich sagte oben: Sie kann Klassik, sie kann Zeitgenössisches. Meine Damen und Herren, Sie konnten Juschka Spitzer auf den Brettern der Drususallee sehen als Franziska in Lessings "Minna von Barnhelm". Die WZ schreibt hierzu: Juschka Spitzer und Kathrin Steinweg sind ein Traumpaar, die pure Lust am Zusammenspiel. Die Bergische Morgenpost schreibt: Juschka Spitzer, gerade frisch von der Schauspielschule, versprüht als Franziska frechen Charme und fast überdrehte Lebendigkeit. Coolibri sagt: Ein Lichtblick ist das neue Ensemble-Mitglied Juschka Spitzer als frech auftrumpfendes Kammermädchen Franziska.
Juschka Spitzer spielte als Venus in der "Schönen Helena" von Jacques Offenbach: Sie kann Operette.
Sie gab die Jennifer Barton in "Total krass" von Nigel Williams. Theater pur - die Zeitung in NRW schreibt: Juschka Spitzer entwickelt im ernüchternden Beziehungsgeflecht ein stilles Gegenbild zur gewalttätigen Männerwelt. Die NGZ sagt hierzu: Überzeugend ist Juschka Spitzer als abhängiges Sternchen. Im Streit mit Russ wächst sie über ihre Rolle hinaus.
Ganz groß war Frau Spitzer als Johanna in Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe". Die NGZ hierzu: Juschka Spitzer schaffte es hervorragend, den frommen und guten Engel zu verkörpern, der auf der Suche nach Wahrheit seine Ideale und seinen Gott verliert. Die WZ sagt: Wunderbare Theatermomente haben Martin Herrmann und Juschka Spitzer dem von Bildungsballast berstenden Text abgetrotzt. Der Neusser Monat schreibt: Die Frau, die in Wirklichkeit Juschka Spitzer ist, gibt Brechts Johanna so, dass es ein ästhetischer Genuss ist. Man glaubt ihr die Frömmigkeit, die Enttäuschung, das Suchen, die Verzweiflung. Und die Theaterzeitung NRW Theater pur sagt ganz einfach: Juschka Spitzer als glaubwürdige Johanna Dark.
Und für die ganz jungen Freunde des Rheinischen Landestheaters: Sie spielt in Kürze Garfunkel im Kinderstück der Aschenputtler. Und da sucht sie noch einen Küsser!!
Frau Juschka Spitzer, ich freue mich, den Förderpreis 2000 der Freunde und Förderer des Rheinischen Landestheaters heute an Sie weitergeben zu können und gratuliere Ihnen sehr herzlich im Namen aller Mitglieder des Vereins, mit besonderen Wünschen des 1. Vorsitzenden, Herrn Dr. Dr. Udo Kissenkötter, der heute nicht hier sein kann.
Karlhans Pfleiderer