Seit vielen Jahren ist zu beobachten, dass der rechte Terror zunimmt. Ständig
sind neue Schreckensnachrichten über rassistische Anschläge zu hören.
Menschen werden auf offener Straße gejagt, aus Straßenbahnen geworfen,
in Brand gesteckt und zusammengetreten. Unter dem Wohlwollen großer Bevölkerungsteile
werden ausländische Mitmenschen zu Tode gefiItert. Die tatkräftigen,
hartentschlossenen Braunratten verbreiten blutigen rechten Terror, am Wegesrand
stehend, hvirniich zustimmend, oft auch klatschend, der Bürgermob. .Je
mehr der demokratiefeindliche Terror an Sympathie gewinnt, um so mehr nimmt
er zu. Der Bürgermob löst sich vom Wegesrand und nähert sich
immer mehr den Braunratten, bis er irgendwann mittendrin steht und mitmacht.
Dies hatten wir bedauerlicherweise schon einmal. Es darf nicht noch einmal geschehen.
Doch der Trend steht auf offenen Rassismus.
Um die Abneigung gegen Rassismus zu bekunden, werden Aktionen gestartet. Große
Konzerte fanden statt, bei freiem Eintritt. Die Massen strömten herbei,
aber weniger, um gegen Rassismus zu demonstrieren, als die Gratisbands zu hören.
Die Kerzen in der Hand, wurde im Schein der Lichterkette gegen Rassismus, der
"Bimbo" von Skinheads getreten. Das Licht ging aus und die beruhigten
Gewissen nach Hause. Der "Bimbo" aber nicht, er blieb liegen, blutüberströmt.
Diese antirassistischen ,,Highlights" finden längst nicht mehr statt.
Wir Deutschen haben ja auch nichts gegen Ausländer, aber.... Aus der Politik
ist zu hören, dass es nur ein kleiner Haufen Unbelehrbarer sei, der Deutschland
in Verruf bringt. Nur wie kann ein Ochse soviel Scheiße auf die Wiese
legen. In der Vergangenheit waren wir verhassten Linken die, die immer wieder
auf die rechte Problematik hingewiesen haben. Aber anstatt uns anzuhören,
wurde eher der Knüppel benutzt, um uns zum Schweigen zu bringen. Nun, da
der faschistische Mob zur Höchstform aufgelaufen ist und große Akzeptanz
unter dem fauligen Bürgertum gefunden hat, stellen sich die Damen und Herren
aus der Politik in eine Reihe und heulen ihr Entsetzen heraus.
Wer hat es den Rechten denn ermöglicht, so stark zu werden und dreist in
der Öffentlichkeit auftreten zu können? Wer hat über Jahrzehnte
für Akzeptanz gesorgt und blind gegen die "Rote Invasion" gehetzt?
Wer hat Forderungen der Nazi-Parteien aufgegriffen? Wer sagte z. B.: "Das
Boot ist voll" oder "Wir sind nicht der Sozialstaat der Welt'? Die
Republikaner und die NPD sagen es auch: "Ausländer raus". Wer
hat sich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft gestellt und mehr "Ausbildung
statt Einwanderung" gefordert? Bemerkungen von den großen Volksparteien
tragen ihr Gleiches dazu bei: "Dieses Zeugs muss weg." (Wilhelm Schmans,
CDU), "Große Flüchtlingsströme aus dem Osten können
der europäischen Kultur ein Ende setzen. Sie können Europa gefährlicher
werden als die Rote Armee in der Zeit des Kalten Krieges." (Steffen Reiche,
SPD), "Wir haben nichts gegen Ausländer. Nur in unserem Dorf ist für
sie kein Platz." (Hartwig Mammen, (CDU) oder ,,Im Asylbereich muß
unser Ziel sein, zu einem politischen Konsens vergleichbar mit dem zur Bekämpfung
der organisierten Kriminalität zu kommen." (Dietmar Schlee, SPD)
Seit vielen Jahren wird von linken Gruppen gefordert, dass Straßen nach
antifaschistischen Widerstandskämpfern benannt werde sollen. Aber nichts
geschieht. Statt dessen werden Nazistraßen in Ehren gehalten. Jetzt mal
wieder über ein Verbot von einer faschistischen Partei nachzudenken ist
Heuchelei, soll die Gemüter beruhigen. Durch Verbote bessert sich nichts.
Konsequente Aufklärung und eine soziale Politik helfen nur. Das Verbot
der NPD besänftigt nur die schlechten Gewissen, dient als Alibifunktion.
Der braun verseuchte Schädel wird dadurch nicht klar. Durch Verbote in
der Vergangenheit ist das geschafft worden, was die Faschisten vorher nicht
geschafft haben. Sie rückten enger zusammen, suchten Kontakt zueinander
im Untergrund und organisierten sich neu, besser und stärker als zuvor.
Nur eine konsequente Ächtung von Rassismus jeglicher An kann diesem widerliche
Lumpenpack Einhalt gebieten. Völlige Distanzierung und Aussperrung von
Faschisten aus der Gesellschaft sind das einzige Mittel, um dem blutigen Treiben
ein Ende zu machen. Ein entschlossenes Auftreten der Bevölkerung gegen
rechte Gewalt und Verurteilung von rassistischen Hetzbemerkungen ist viel effektiver
als jegliches Verbot. Ein Verbot soll nur vom eigentlichen Problem ablenken.
Lösen wir uns endlich aus der rassistischen Tradition und fangen an, Verantwortung
als Demokratinnen und Demokraten zu übernehmen.
Heiko Schellenberger