Blick von der Tribüne:

A 57 und kein Ende

Es tut sich mal wieder was in Neuss, Bürgerinitiativen gegen die herrschende Betonpolitik schießen wie Pilze aus dem Boden. So auch in Selikum. Dort hat sich eine verschworene Gemeinschaft gebildet, die dem weiteren Ausbau der Autobahn A 57 den Kampf angesagt hat.

Ganz schön ins Schwitzen gerät dabei die CDU, ist doch Selikum eine ihrer Wahl-Hochburgen. Noch im Planungsausschuß lehnte die "Schneller-weiter-höher-Fraktion" brüsk jede Initiative zum Stopp des Ausbaus der
A 57 ab und wollte sogar über Lärmschutz nicht mit sich reden lassen.

Im Rat kam dann die scheinbare Kehrtwendung.

Helga Krüger, die die Felle in ihrem Wahlkreis wegschwimmen sah, rang ihrer Fraktion einen wachsweichen Antrag ab, der den unverzüglichen Bau des Lärmschutzes zwar vorsieht, die "Trompete" jedoch weiterhin ausgebaut sehen möchte. Vielleicht nach dem Vorschlag ihres Fraktionskollegen Hick in doppelstöckiger Bauweise (!?), damit keine Fläche neu versiegelt werde(!?).

Ingeborg Pein (SPD) konterte.

Sie verlangte im Namen ihrer Fraktion, die gesamten Um- und Ausbauplanungen der A 57 "Neuss-Trompete" abzulehnen, ein Anliegen, das mit der Position der GRÜNEN identisch ist.

Doch dann kam es anders.

Insbesondere SPD-Ratsherr Hermann Bolten (der beste CDU-Mann, den die SPD bisher hatte) fiel seiner Fraktionskollegin in den Rücken und verwässerte den eigenen Antrag in Richtung CDU. So sah sich der Stadtverordnete der GRÜNEN, Erhard Demmer, genötigt, den ursprünglichen SPD-Antrag für die GRÜNEN zu übernehmen. Seine Fraktion und er halten nämlich des Ausbau der A 57 für nicht notwendig, da dieser frühere Unfallschwerpunkt - die neuesten Zahlen sehen wesentlich positiver aus - auch durch andere Maßnahmen entschärft und der sündhaft teure Umbau vermieden werden könnte. Offensichtlich denkt man bei der Polizei in die gleiche Richtung, weitere Hinweisschilder und eine "Gleitwand" sind projektiert. Der letzte schwere Unfall, so die Polizei, sei wegen überhöhter Geschwindigkeit geschehen. Statt vorgeschriebener 60 kmh fuhr ein Bus 120, frei nach dem Radio Eriwan-Motto: Kann man diese Kurve mit 120 nehmen? Antwort: Im Prinzip ja, aber nur einmal.
Andere Fragen bleiben:
- Geht die Bürgerinitiative der CDU auf den Leim?
- Und: Wie geht die SPD mit ihren eigenen Anträgen und ihren Fraktionsfrauen um?

R.K.