"Maikäfer flieg. Dein Vater ist im Krieg. Dein' Mutter ist in Pommernland. Pommernland ist abgebrannt." Und ein paar Zeilen weiter: "Bet Kindlein, bet. Morgen kommt der Schwed..." Ein Wiegenlied, überliefert aus dem 30jährigen Krieg. Verse, mit denen Mütter ihre Kinder in den Schlaf gesungen haben und die heute jene dunklen Geschehnisse erahnen lassen, welche sich in den Jahren 1618 bis 1648 ereignet haben.
Mit von der Partie war der Edelmann Jan van Werth, der im Jahre 1591 zu Büttgen
als Sohn einfacher Leute geboren ward. Er griff nach der Chance, die der Krieg
im bot, der Chance, "der Enge und Perspektivelosigkeit kleinbäuerlichen
Lebens zu entkommen", so Professor Dr. Hans Georg Kirchhoff. Und Jan van
Werth langte ordentlich hin.
Schon in seiner Jugendzeit wurde er Soldat. Zunächst bei den spanischen
Truppen des Generals Spinola, später dann wechselte er ins Lager der kaiserlich
katholischen Liga. Böse Zungen behaupten deshalb noch heute, der edle Jan
van Werth sei ein Söldner gewesen. Doch der kühne Recke war erfolgreich
- als Schlächter.
Die kaiserlichen Hohheiten dankten es ihm. Der Bauer aus Büttgen stieg
steil auf: 1622 Rittmeister, 1632 Obrist, 1634 Feldmarschall-Leutnant. Als er
- 1635 in den Reichsfreiherrenstand erhoben - dann 1643 als Reitergeneral auf
der Leiter Spitze angekommen war, muß ihm auf dem Berg von Leichen, die
er unter sich aufgetürmt hatte, schwindelig geworden sein.
Doch was soll es? Büttgen, das kleine Dorf am Kaarster-Kreuz, hat eben
keinen anderen Dorfheiligen, der lokalpatriotische Gelüste befriedigen
könnte. Und letztlich hat der Gute einen Teil seines durch Totschlag erworbenen
Vermögens der Kirche vermacht. Seelenmessen für die Armen sollten
in Büttgen gehalten werden - wie andächtig. Deshalb wird nicht der
339. Todestag, sondern der 400. Geburtstag der erhabenen Freiherrlichkeit gefeiert.
Werbewirksam, auch für das eigene Haus, hat die Stadtsparkasse Kaarst-Büttgen
eine 999er Jan van Werth-Silber-Gedenkmünze prägen lassen, deren Erlös
dazu bestimmt ist, den Aufbau eines van-Werth-Archivs der Büttgener Schützenbruderschaft
zu ermöglichen. Daher war auch die Neusser Volksbank aus Gründen der
Public-relations genötigt nachzuziehen. Der Schriftzug "Jan van Werth,
der Mann, dessen Tugend keine Titel begehrte, aber alle Verdienste" ziert
sarkastischerweise den Kopf der Plakette, die als äußeres Zeichen
der Stiftung an die Schützenbrüder übergeben wurde - natürlich
mit Foto in der Presse.
Aber auch ein richtiger Festakt wurde zelebriet, zu dem der immer lächelnde
Bürgermeister Heinz Klever viele erlauchte Hohheiten begrüßen
durfte. Die Tochter des Jubilars hatte nämlich 1647 Winand Hieronymus Raitz
von Frentz zu Schlendrihan geehelicht. Diese Ehe hatte Folgen, die zur Feierlichkeit
sich einfanden. Doch neben adligen waren nur wenige andere Vips aufgezogen.
Ausschließlich lokale Politprominenz gab sich die Ehre, namentlich Landrat
Hermann Josef Dusend und Oberkreisdirektor Salomon, wer sonst?
Aus diesem Grund schlagen wir die Umbettung des in Böhmen Verstorbenen
vor. Zu diesem Anlaß könnte man dann auch den Bürger Helmut
Kohl einladen, der ja bekanntlicherweise für solch bescheidene Aktion immer
zu haben ist.
Johannes