Es gibt Typen, denen die Ausländerhatz im sächsischen Hoyerswerda
und anderswo ganz prima gefällt. Zu ihnen gehört Herr Peter Kempen,
seines Zeichens Ortsgruppenführer der hiesigen NPD. In einem Leserbrief
schimpfte er darüber, daß "deutsche Polizei deutsche Jugendliche
zusammenschlagen mußte", die "gegen Ausländer demonstrieren".
Daraufhin griff NM-Redakteur Franz Anger zur Feder, um Herrn Kempens Beitrag
zur "Formierung unserer Volksgemeinschaft" zu würdigen. Leider
kürzte die Rheinische Post diesen Leserbrief, weshalb wir ihn in der Originalfassung
abdrucken.
Ein Anonymus aus Erkelenz setzte den Glanzpunkt der Debatte, indem er in rassistischer
Manier Partei für die neofaschistischen Skins ergriff. Auch dieses Zeitgeist-Dokument
veröffentlichen wir, und zwar als Faksimile.
Ausnahmsweise verraten wir diesmal die Message, die wir rüberbringen wollen:
Hoyerswerda liegt am linken Niederrhein.
"Deutschland den Deutschen!"
"Angriffe auf Ausländer als Abendunterhaltung" - diese Überschrift und der besondere Hinweis auf Neonazis und Hitlergruß (RP 23.9.) ist Polemik. Hoyerswerda ist vielleich der Anfang einer Entwicklung, wie wir sie aus England und Frankreich kennen, und die bald schon auch bei uns grausame Wirklichkeit werden kann. Wenn Politiker Frieden und Eintracht in unserem Land nicht aufs Spiel setzen wollen, dann sollten sie schnellstens den Ausländerstrom stoppen. Es ist ein Skandal, wenn deutsche Polizei deutsche Bürger zusammenschlägt, weil sie gegen Ausländer demonstrieren, die ihnen Wohnung und Arbeit wegnehmen. Es ist Schuld der Politiker, daß in Hoyerswerda deutsche Polizei deutsche Jugendliche zusammenschlagen mußte.
Peter Kempen
Stephanusstraße 47
4040 Neuss 22
(RP, 28.9.91)
Deutscher Peter
Peter Kempen aus Neuss, dortselbst als Ortsgruppenführer der NPD tätig,
verfügt offenbar über eine unglaublich scharfe Beobachtungsgabe. Mittels
seines völkischen Nationalismus gelingt ihm das Kunststück, aus
den neofaschistischen Schlägerhorden im sächsischen Hoyerswerda "deutsche
Jugendliche" zu machen, die "gegen Ausländer demonstrieren".
Auch im Hinblick auf die ökonomischen Ursachen des neudeutschen Ausländerhasses
vollbringt Herr Kempen Unglaubliches. In souveräner Manier ignoriert er,
daß die marktgerechte Sanierungspolitik der Treuhandanstalt, welche von
deutschen Managern besorgt wird, die deutschen Arbeitsleute im Osten um ihre
Arbeitsplätze bringt. Der deutsche Peter weiß es nämlich besser:
Schuld an der Arbeitslosigkeit sind die "Ausländer", gegen die
sich nun der gerechte Zorn der "deutschen Bürger" richtet.
Dergestalt leistet der völkische Sturmtrupp-Mann Hervorragendes
bei der Formierung unserer Volksgemeinschaft.
Franz Anger
(Die kursiv gesetzten Passagen fielen der Schere des demokratischen RP-Zensors
zum Opfer.)