Mit drei sehenswerten Inszenierungen schaffte das Rheinische Landestheater
im September einen gelungenen Einstieg in die neue Spielzeit. Für die Bühne
an der Drususallee wird es die letzte sein, die nächste soll bereits auf
der neuen Bühne im umgebauten ehemaligen Horten-Haus eröffnet werden.
Am 3. September hatte das Stück "Ladies Night" des neuseeländischen
Autorenduos Stephen Sinclair und Anthony McCarten Premiere. Sechs arbeitslose
Männer versuchen einen Ausweg aus ihrer hoffnungslosen Lage selbst zu organisieren,
indem sie sich als Männerstrip-Gruppe anbieten. Oberspielleiter Sewan Latchinian
war auf das Stück gestoßen, nachdem der Versuch Aufführungsrechte
für eine Bühnenfassung des 1997 erfolgreichen Films "Ganz oder
gar nicht" zu erwerben gescheitert war. Das Bühnenstück entstand
bereits 10 Jahre vor dem Film. In einer unrühmlichen Aktion schnappte die
Düsseldorfer Bühne den Neussern, die ihre Planungen schon lange vorher
an die Öffentlichkeit gaben, die Rechte für die deutsche Erstaufführung
weg. Regisseur Latchinian gelang dafür, wie auch der Kritiker der Westdeutschen
Zeitung fand, die bessere Inszenierung. Das lag zum einen daran, dass die soziale
Problematik (Arbeitslosigkeit) nicht mit platter Komik zugeschüttet wurde,
zum andern an der treffenden Besetzung mit wundervollen "Typen" und
der ansteckenden Spielfreude des Ensembles. So gelang die Balance zwischen Komik
und dem eher Fragen und Nachdenken aufwerfenden Ende gut. Etwas weniger überzeugte
das Bühnenbild.
Völlig uneingeschränkten Beifall verdiente sich die Aufführung des Kinderstückes "Katzen", eines "kleinen Musicals", zwei Tage später auf der Studiobühne an der Wolberostraße. Hier stimmte einfach alles. Das Stück der schwedischen Autorin, Bühnen- und Filmregisseurin Elers-Jarlemann lässt vier Straßenkatzen von durchaus menschlichen und ernsten Themen mit bezaubernder Leichtigkeit erzählen, singen, spielen und tanzen. Regisseur (Barry L. Goldmann), Ausstattung (Anja Imig) und das Ensemble boten Spitzenleistungen an Kreativität, Phantasie, Konzentration und Spielfreude. Die musikalischen Arrangements (Robin Jurmann) waren abwechslungsreich und anrührend und konnten auf überraschend vielseitige musikalische Talente bei den Schauspielern zurückgreifen. Dieser Inszenierung sind noch viele kleine (und große!) Zuschauer zu wünschen!
Am 18. September hatte schließlich mit Lessings "Minna von Barnhelm"
eines der meistgespielten klassischen Lustspiele Premiere an der Drususallee.
Unter der Regie des früheren Oberspielleiters Jürgen Strube gelang
eine ganz und gar unverstaubte und treffende Darstellung, wenn man von gelegentlichen
Überzeichnungen der Figur Tellheims absieht. Auf der von Katharina Sichtling
mit etwas vielen Stolperfallen gestalteten Bühne (ein zur Dauerbaustelle
heruntergekommener Gasthof) erspielte sich das Ensemble verdient herzlichen
und langanhaltenden Applaus.
Jo Hannes