Wenn sich moderne Menschen von heute treffen

Jährliche Neuentdeckung des Sinns des Schützenfestes

Wenn sich moderne Menschen von heute treffen, um ein traditionelles Fest zu feiem, ist das immer ein besonders interessantes Ereignis. Das Neusser Bürger-Schützenfest ist solch ein Ereignis. Hier verbinden sich auf wunderbare Weise Schauspiel, Musik, freundschaftliches Miteinander und familiäre Bindungen zu einem einmaligen Spektakel. Wenn am kommenden Samstag, 28. August 1999, 12 Uhr mittags am Wendersplatz die städtischen Geschütze den Beginn unseres großen Heimatfestes verkünden, folgen dreieinhalb Tage der Freude, der Geselligkeit und des Gemeinschaftssinns. Für die vielen Betrachter ist es ein besonderer Augenblick, wenn zeitgleich auf der Turmspitze von St. Quirin die rot-weiße Fahne gehisst wird und die Böllerschüsse den Auftakt des Festes verkünden. Die Schützen haben dieses große Heimatfest mit Sorgfalt vorbereitet. Die fackelbauenden Züge werden arn Samstagabend mit Stolz und Freude der am Straßenrand stehenden Bevölkerung beim Fackelzug ihre Kunstwerke präsentieren. Der Sonntag steht ganz im Zeichen der Ehrung des Königs, der ein Jahr lang die Veranstaltungen der Korps und der Schützenzüge durch seine Anwesenheit gekrönt hat.
Komitee, Korpsführer und Schützen laden ein, das Fest des Friedens, der Freude und der Freundschaft zu feiern.
Kirmes, du des Neussers Freud und Lust. Als die Grenadiersänger diesen Refrain gestern vor der Parade des Neusser Bürger-Schützen-Festes anstimmen und das Publikum begeistert mitsingt, da ist in der Stadt am Rhein wieder einmal Silvester und Neujahr zusammen. Denn in Neuss gibt es nur "vur die Dag" und "noh die Dag", also vor und nach den Festtagen. Um zu verstehen, wie sehr das Schützenbrauchtum in Neuss verwurzelt ist, muss niemand im Schatten der Münsterkirche St. Quirin geboren sein. Wer einmal "över dr Maat", dem Aufmarschplatz des Regiments, gezogen ist, will immer wieder mitmachen. Es ist das größte Regiment, das in Deutschland durch eine Stadt zieht, alle anderen wie etwa in Hannover - werden von den Neussern eher als Trachtengruppe bezeichnet. Den ersten Höhepunkt ihres Heimatfestes erlebten die Neusser am Samstagabend, als bei Einbruch der Dunkelheit der Fackelzug begann. In diesem Jahr zogen die Schützen mit 74 Großfackeln durch die Stadt. Dabei wurden in der Hauptsache lokale Themen glossiert. Fackelmotive gab es aus den vergangenen zwölf Monaten mehr als genug, etwa die vielen Bäckereien, die in der City zu finden sind.
Wochen und Monate haben die einzelnen Züge an den Fackeln gebaut, der Beifall des Publikums ist Lohn für diese Arbeit. Natürlich ärgert es den einen oder anderen Kommunalpolitiker, mit solch einer Fackel "veräppelt" zu werden. Aber schlimmer wäre es, er wäre überhaupt kein Thema.
Der Dienst der Schützen begann gestern sehr früh. Bereits um sechs Uhr kamen die Ersten zum gemeinsamen Frühstück zusammen.
Mit klingendem Spiel ging es dann zu den Sammelpunkten der einzelnen Korps: der Edelknaben, der Sappeure, der Grenadiere, der Jäger, der Schützenlust, der Hubertusschützen, der Schützengilde, der Scheibenschützen, der Artillerie und der Reiter.
Ich hatte schon immer Kontakt zu Pferden. Praktisch, seit ich denken kann. Außerdem habe ich meine Freundin beim Reiten kennengelernt. Wenn ich meinem Hobby fröne, kann ich richtig abschalten. Reiten ist ein schönes Hobby: auf dem Pferd ist man stets im Einklang mit der Natur. Es ist schon gigantisch, wenn ein paar tausend Menschen auf der Wiese stehen und einem zusehen. Das lässt einen nicht kalt. Mit das Schönste ist es, sich zum Be-ginn der Kirmes am Frei-tagabend, an einer bestimmten Bierbude zu treffen und das Wiedersehen zu feiern. Alle sind da, man trifft Hinz und Kunz. Einfach stark. Wie eine große Familie fin-det man wieder zusammen, egal, woher man gerade kommt. Im Schützenverein bilden sich wichtige Freundschaften, die weit über das Schützenfestliche hinausreichen. Die Bereitschaft, gemeinsam etwas in der Freizeit zu leisten, ist heute nichts Alltägliches mehr. Es ist Wahnsinn, wie viele Menschen man in so einer Zeit kennenlernt. Und noch unglaublicher ist es, wie selbstverständlich die Leute einem zur Seite stehen. Es gibt so viele Kleinigkeiten, von denen ich nichts wusste - zum Beispiel, wem man in einer Runde zuerst die Hand gibt. Da war ich froh, dass mir jemand geholfen hat.

Anonymus
(Textzusammenstellung Gesamtzitat aus NGZ vom 30.08.99 und
Lokal-Anzeiger vom 26.08.99)