Sponsoring - die neue Form, Geld zu schröpfen

oder: Wer renoviert unsere Schule?

Schon seit langem wird in deutschen Lehrerzimmern über die Auswirkungen der sogenannten Sparpolitik der SPD-Grünen-, vormals der alleinregierenden SPD-Landesregierung hergezogen. Nicht zu Unrecht klagen die KollegInnen über die neuesten Ukas der Schulbürokratie, die schlechte Ausstattung der Schulen, die Lehrerarbeitszeit, bzw. generell über die Lehrerversorgung usw. usf.
Der Beelzebub bzw. das Beelzemädel ist leicht ausgemacht: Gabriele Behler (SPD), ihres Zeichens Ministerin für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW. Sie ist auch nicht faul im Amte und kann ganz gut einstecken, aber auch austeilen, wovon z.B. ihr letzter achtseitiger Elternbrief von August 1999 Zeugnis ablegt.
Es geht hierin u.a. um die "Sicherung des planmäßigen Unterrichts an den Schulen in NRW". Neben der Lobhudelei für den eigenen Laden, der Landesregierung, wendet sie sich dort ganz offen gegen langfristig erkrankte Lehrkräfte, erteilt all denen eine barsche Absage, die meinen, eine befristet eingestellte Lehrkraft könne allein deshalb, weil sie gute Arbeit leistet oder den Eltern gefällt (?), anschließend unbefristet weiter beschäftigt werden.
Sie unterbreitet den Eltern einen ganzen Katalog von Maßnahmen, den die Schulen - sprich: die Lehrkräfte strikt einzuhalten haben, und empfiehlt den Eltern bei Nichtbefolgung, die Schulaufsicht einzuschalten.
Das freut das LehrerInnenherz und so wird an manchen Schulen - vornehmlich an Gymnasien - eifrig das Bündnis zwischen Lehrern und Eltern geschmiedet, um das "verantwortungslose Treiben der Behler" zu stoppen.
Dabei fällt folgendes auf:
Der Kreis der Kritiker der momentanen Schulsituation hat im allgemeinen nichts auszusetzen an der generellen Linie des "Sparens", der Theorie vom "schlanken Staat", der zunehmenden Privatisierung der "Öffentlichen Hand" und der Bekämpfung der "Staatsverschuldung". Davon wollen die tapferen Streiter wider "die Behler" auch in Zukunft nicht lassen.
Bloß, wenn es um die Ausbildung der eigenen Brut geht, bzw. die eigenen Arbeitsbedingungen betrifft, werden die Befürworter der "Neoliberalen Erneuerung" rebellisch. Doch fehlt das nötige staatliche Geld für Schule und Ausbildung , ist guter Rat teuer. Einen Ausweg aus der Misere glauben sie in dem sogenannten "Sponsoring" gefunden zu haben: Sind die Scheißhäuser der Schulen kaputt, fehlt Kreide, Tafelschwamm und Farbe für die Renovierung der Klassenräume, da lässt sich doch was machen: Ein "Sponsored Walk" muss her. Der schweißt die Schulgemeinde zusammen und spült Geld in die Kasse - und die Bürokratie lacht sich ins Fäustchen.
Vordergründig scheint alles zu klappen: Die lieben Kleinen klappern die Verwandtschaft und die Nachbarschaft ab und pressen den Geplagten mehr oder weniger trickreich das Geld aus der Tasche. Im großen Stil werden große Firmen angegangen, die bei reicher Spende lobende Erwähnung auf dem fälligen Abschlussfest finden.
Doch die Kehrseite ist die: Spenden sind steuerlich abzugsfähig (deshalb fallen sie auch oft so großzügig aus) und in der Folge hat der Staat noch weniger Mittel zur Verfügung und der nächste "Sponsored Walk" kommt so sicher, wie die Aktienkurse und die Gewinne steigen.
Es soll ja Unverbesserliche geben, die glauben tatsächlich, dass Eichels Sparprogramm, welches derzeit verhandelt wird, den Zweck hat, die Staatsverschuldung drastisch zu senken. Dafür sind sie bereit (siehe oben), bei den Sozialhilfeempfängern, den Arbeitslosen und Rentnern radikal zu sparen.
Wie Prof. Rainer Roth, Autor des Buches "Das Kartenhaus", kürzlich vorrechnete, ist der eigentliche Hauptgrund für die Staatsverschuldung die staatliche Subventionierung der Profitraten der Unternehmen durch stetige Senkung der Unternehmenssteuern. Wären diese heute so hoch wie 1980, wären 100 Milliarden mehr in der Staatskasse.
Wie die Bundesbank vor kurzem errechnet hat, führt jetzt allein die jetzt von der Schröderregierung geplante Gewinnsteuersenkung zu ca. 30 Milliarden Mark Steuerverlust. Dies, so Prof. Roth, ist der tiefere Grund für Eichels Sparpaket. Dieses nach den vergeigten Wahlen nun auch von der SPD-Linken mitgetragene Paket weckt bei der Wirtschaft weitere Begehrlichkeiten. Die Spitzenverbände forderten am 19.9. noch weitergehende Steuersenkungen für Unternehmen, als ohnehin schon geplant sind.
Dass die enormen steuerbegünstigten Gewinne selbstredend nicht zur Verringerung der Arbeitslosigkeit führen, kann jeder selbst feststellen.

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