Abgeschobene können Taschengeld für Heimreise nutzen

Keine Verbesserung der medizinischen Versorgung im Frauen-Abschiebegefängnis Neuss


Telefonkette Neuss unzufrieden mit Gespräch im NRW Justizministerium

Die unschuldig inhaftierten Frauen im Abschiebegefängnis an der Grünstraße werden auch weiterhin durch männliches medizinisches Personal versorgt. Das ist ein unerfreuliches Ergebnis des Gespräches im NRW Justizministerium. Mitglieder der TELEFONKETTE Neuss waren über den Verlauf der Unterredung äußerst verärgert, da sich die Ministerialbeamten (Justiz und Innenministerium) in dieser Frage völlig kompromisslos zeigten. Beim letzten Gespräch dieser Art Ende '97 wollte sich das Ministerium noch um die Einstellung einer Ärztin bemühen. Nun soll der Gefängnisarzt und Sanitäter die Untersuchungen fortsetzen. Die Flüchtlingsinitiative kritisiert, dass damit unzureichend auf das Schamgefühl und die religiösen und kulturellen Bedürfnisse Rücksicht genommen wird. Viele ausländischen Frauen dürfen sich nicht von Männern untersuchen lassen. Zwar können die Inhaftierten die Untersuchung durch eine Ärztin fordern, allerdings erläuterten die ehrenamtlichen Betreuerinnen, dass die Frauen sich nicht trauen, in der erdrückenden Atmosphäre des Gefängnisses einen dahingehenden Wunsch zu äußern. Die TELEFONKETTE erwägt daher eine anonyme Befragung der eingesperrten Frauen, um die Zustände und Bedürfnisse zu erfassen und offenzulegen.
Aber es gab auch Erfreuliches: so können die Frauen künftig Taschengeld ansparen, um die Fahrt vom Zielflughafen zum Heimatort bezahlen zu können. Bis jetzt mussten diese Kosten durch Neusser Spenden, hauptsächlich aus kirchlichen Quellen beglichen werden. Außerdem einigte man sich dahingehend, daß die Gefängnisverwaltung den Ernährungsbedürfnissen der arabischen, und afrikanischen Frauen entgegenkommen wird.
Alle Beteiligten des Gespräche sahen die Notwendigkeit einer psychosozialen Vollzeitbetreuung, Einige ehrenamtliche Betreuerinnen stehen nun schon seit Beginn im Jahr '93 unter dem enormen Druck einer Tätigkeit, bei der sie tagtäglich mit Leid, Frust, Ungerechtigkeit, tiefster Angst und Hoffnungslosigkeit der inhaftierten unschuldigen Frauen konfrontiert werden. Hier ist schnell und dringend Entlastung notwendig.

Es werden ehrenamtliche Betreuerinnen gesucht, Infos unter 02131- 463073, Spenden sind auf das Konto der Telefonkette Neuss, Konto: 1307776 bei der Stadtsparkasse Neuss, BLZ: 30550000, Stichwort "Gefängnis" willkommen.