Seitdem vom Heiligen Stuhl die Frohe Botschaft an die deutschen Abtreibungsgegner
übermittelt wurde, dass von nun an die Beteiligung der katholischen Schwangerenberatung
an der Tötung des ungeborenen Lebens mittels Beratungsschein untersagt
ist, drehen die Lebensschützer voll auf. Zwar wussten sie schon immer,
dass nur der Herr nehmen dürfe, was dieser gegeben habe - und haben das
den ungewollt Schwangeren mit allen psychoterroristischen Mitteln versucht beizubiegen
- dennoch haben sie widerwillig die Bescheinigung herausgegeben, weil es für
sie die Gelegenheit war, innerhalb staatlich gesponserter Instanzen arme Hascherl
gewissenwurmmäßig zu traktieren, die sie ansonsten in ihren Tempeln
nie zu Gesicht bekamen.
Ende Oktober hatte der Neusser Verein Lebensschutz den Professor Ingolf Schmid-Tannwald
von einer Münchener Frauenklinik eingeladen, der gleichzeitig Chef des
Vereins "Ärzte für das Leben" ist. Er spaltet nämlich
die Ärzteschaft in "tötende und nicht tötende Ärzte".
Sein Spezialthema an dem Abend war die Einführung der Abtreibungspille
RU 486.
Für den Herrn Professor stellt RU 486 den Endpunkt einer Entwicklung dar,
die vor vier Jahrzehnten mit der Pille begonnen hat. Von der Verhütung
gehe es über "die vom Arzt verantwortete Abtreibung, ehe jetzt das
Präparat RU 486 die Privatisierung ermögliche." (NGZ, 1.11.99)
Und genau das regt den Professor maßlos auf. Da können doch tatsächlich
die Frauen im "stille(n) Kämmerlein" ihre Untat verrichten. "Mit
diesem Präparat bekommt die Frau ein Tötungsmittel in die Hand. Das
bedeutet die Privatisierung der Abtreibung und die Durchbrechung des staatlichen
Gewaltmonopols." (NGZ, 6.11.99) Kein Staat, keine Kirche und kein nicht-tötender
Arzt kann den Frauen dabei auf die Mörderfinger gucken. Schließlich
ist fürs Abmurksen der Staat zuständig!
Erstaunlich, dass da die katholischen Fundis dem Professor nicht in die Parade
fahren, und auch dem Staat das Verfügungsrecht über das Leben bestreiten.
Aber da war die Kirche schon immer sehr zurückhaltend. Man erinnere nur
an die vehementen Proteste aus dem Vatikan gegen den wirklichen Holocaust an
geborenen Juden, mit dem die Abtreibungsgeschichte gerne verglichen wird.
Aber so sind sie eben, die Glaubenskrieger: Konsequent für das Leben vor
der Geburt und nach dem Tode!
dw