Hoher Besuch in Neuss

Angeturnt durch Eros Ramazzotti und Kollegen feierten rund 1400 Stars und Sternchen Ende Oktober im Neusser Swissotel eine "rauschende Ballnacht der Superlative" (Neuß-Grevenbroicher-Zeitung). Abgerundet war die Gala durch "das köstliche Vier-Gang-Menue mit Tranchen vom rosa gebratenen Kalbsrücken als Highlight".
Um für die einschlägigen Blätter abgelichtet und würdig kommentiert zu werden, brauchte es eines gelungenen Anlasses. Da wurden die PR-Manager schnell fündig: Kinder in (Bildungs-)Not aus den Ländern der Dritten Welt machen sich immer gut. Die auf dem Fest für die UNESCO gesammelten 2,2 Millionen (pro Person ca. 1580 DM) waren also für's Showbusiness produktiv angelegte Unkosten.
I-Tüpfelchen der Veranstaltung waren die exotischen Ehrengäste: u. a. die Schwester des Dalai Lama und als Schirmherrin Königin Yangdong von Bhutan, die besonders gut in die Veranstaltung reinpasste, zumal in ihrem Ländle die Analphabetenrate bei 80% liegt. Natürlich kein Vergleich mit dem vergangenen Jahr, als der raubeinige Jassir Arafat mit den Schönsten der Schönen die Titelseiten der Boulevardpresse schmücken konnte.
Was die Zukunft betrifft, braucht sich die Gastgeberin, UNESCO Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven, keine Gedanken zu machen. So lange der Internationale Währungsfond (IWF) zusammen mit den einheimischen Stammesfürsten die Weltwirtschaft kontrollieren und vor Ort durchsetzen, wird es genügend Anlässe für derartige Mildtätigkeitsveranstaltungen geben.
Fast hätten wir es vergessen: Auch der Kölner Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann war anwesend und spendete den armen Kindern - den Segen.

dw