Neuauflage einer reaktionären Kampagne

Das Thema Flüchtlinge war lange aus dem Blickfeld geraten. Nun machte sich kürzlich der NRW-CDU-Chef Rüttgers an dieses populistische Thema heran. Der Spitzenkandidat für die Landtagswahlen im Mai 2000 forderte Anfang November eine drastische Kürzung der Leistungen für Asylbewerber auf von ihm halluzinierten europäischen Standard. Die Almosen für Flüchtlinge liegen zwar heute schon deutlich unter der Sozialhilfe und werden in der Regel nur in Form von Sachleistungen ausgezahlt. Rüttgers Vorstoß erinnert fatal an die frühere Volker-Rühe-Kampagne, die die Orts- und Kreisverbände der CDU vor einigen Jahren gegen die angebliche Begünstigungspolitik der SPD in Stellung zu bringen versuchte. In der Folge brannten etliche Asylbewerberunterkünfte und die Hetze gegen die hierher Geflohenen nahm dramatische Ausmaße an. Nach der "Haltet-den-Dieb-Methode" wurde jede eigene Schuld an der Hetz- und Haßkampagne abgeleugnet und statt dessen der SPD bzw. den Grünen, wenn nicht gleich den Flüchtlingen selbst in die Schuhe geschoben.
So soll es wohl diesmal wieder klappen, denkt sich CDU-Rüttgers und mobilisiert mit solchen Tiraden den reaktionären Mob. Angela Merkel, Generalsekretärin der CDU, schreit immer schrill auf, wenn seitens der SPD oder der Grünen eine Besteuerung der Reichen überhaupt nur ins Spiel gebracht werden soll. Dann zetert sie "Neidkampagne", während sie und ihresgleichen sich an den Asylbewerbern schadlos halten und diese als europaweit privilegiert hinstellen wollen. Nicht nur blenden die CDU-Heroen dabei die hiesigen teureren Lebenshaltungskosten aus, gleichzeitig forcieren sie eine perfide Neuauflage der "Unser-Boot-ist-voll-Kampagne", die letztlich auch von Schröder und Innenminister Schily - wie auf dem letzten EU-Gipfel in Finnland geschehen - betrieben wird. Dies lief dort unter der Flagge der Angleichung der EU-Standards und der flächendeckenden Aufnahme der Flüchtlinge bei gleichzeitiger Verschärfung der Jagd auf die sog. "Illegalen".
Schily im besonderen fabuliert von einer Streichung des individuell einklagbaren Rechts auf Asyl. An die Stelle soll eine Art "Gnadenrecht" treten. Dass Schily sich damit von der europaweiten Anerkennung der "Genfer Flüchtlingskonvention" verabschiedet, zeigt, wie tief er inzwischen gesunken ist. Selbst wenn er hier nur eine "Duftmarke" setzen will und rechte Kräfte binden will - die Flüchtlinge sind dabei allemal die Dummen.
Und zu alledem schweigen sich die Bündnisgrünen tapfer aus, bis auf ein, zwei obligatorische Interviews von Kerstin Müller und Marie-Luise Beck (Ausländerbeauftragte der Regierung). Sie wollen das schlingernde "Rot-Grüne-Zukunftsprojekt" nicht noch einer weiteren Belastungsprobe aussetzen. Die "armen Teufel" aus den Elendsquartieren dieser Welt werden es ihnen danken.

HPJ